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erlosch mit dem Augenblicke seines Hinscheidens. Als man bei Nacht daran ging, das Grab auszuheben, suhr wiederum eine Feuersäule vor den Kabronim zur Erde. In dem etwa zwei Meilen'hinter einem Berge liegenden Städtchen Nvwotanitz sah man den Feuerschein und glaubte, daß ganz Rymanow in Flammen stünde. Der Talmud berichtet über solche Erscheinungen beim Tode großer Lehrer mit der Bemerkung, daß dies nur Einem, höchstens Zweien, in einer Generation zu Theil werden kann. Zn demselben Augenblick blieben sämmtliche Uhren im Städtchen stehen.
Nach dem Neumondsmorgengebete trug man den entseelten Körper in die oben erwähnte Mikwa des Hauses und bahrte ihn im Bethamidrasch auf. Sein Antlitz hatte Engelsglanz. Die Rabbinerin hielt eine ergreifende Trauerklage. Während der Vorbereitungen legte mau eine Summe für die Wittwe und die Waisen zusammen, da nur Schulden für ausgeliehene Armenunterstützuug geblieben waren. Dann folgte die Bestattung unter dem herzzerreißenden Jammer einer tausendköpfigen Menge, wobei die polnischen Bauern sich die Köpfe an die Wände schlugen mit den Rufen: iXu ,82 rudin oinnr („Unser Rabbiner ist gestorben!")- Die Wittwe blieb mit ihren Kindern nicht lange in Noth, denn da inzwischen die Frau des R. Israel Ro^aner gestorben war, nahm sie dieser am Neumond des Elul nach 10 Monaten zur Frau.
R. Israel Friedman von Rougean (1798—1850).
R. Israel Balschemtow war die Wurzel des Baumes der neuen Organisation, R. Israel Koziniecer mit seiner unvergleichenden Tiefe und brillanten Gelehrsamkeit das Astwerk mit Laub und Blüthen, R. Israel Ro^aner die Hkrone mit der Frucht. Der Erstere wußte alle Seelenkräste der kommenden Generation in sich zu vereinigen, R. Israel Koziniecer repräsentirt die Thora in ihrer speziellen Beleuchtung durch den Chaßidismus und füllt die Lücke in der Kabbala des R. Chaim Vital ans, indem er zum ersten Male das System des älteren Schülers des ^.ri, das des R. Israel Sarng (1680), das von den Sephardim vernachlässigt und bei Seite gesetzt war, in der merkwürdigen Beleuchtung durch die Ideen des R. Dowber von Meseritsch zur höchsten Vollendung bringt. Es ist das Zeitalter des stürmischen Idealismus. R. Israel RvMner ist der Mann der praktischen Realpolitik, des religiösen Nationalismus, der äußeren Regeneration des Individuums wie des Nationalkörpers.
Was sein früh verstorbener Vater R. Scholem Pohorobyscier geplant, in der Praxis jedoch nur andeutungsweise ausführen konnte, das hat er mit einer unglaublichen Energie im Kampfe gegen den gewaltigsten Selbstherrscher, den Kaiser Nikolaus I, durchgesetzt, das Exilarchat in aller Form, auch ohne offiziellen Titel, wicderherzustellen, dem Gros der Jndenheit im Osten ein mit wahrhaft fürstlicher Grazie und äußerem Glanze ausgestattetes Oberhaupt zu geben. Die Pflanzung hat ein volles Jahrhundert überdauert, und diese Probe genügt für den Gärtner, für den sie einzig und allein bestimmt ist, um den Beweis zu liefern, daß die Palme Juda s auch in der Eisnacht des Nordens ihre Lebenskraft nicht eingebüßt hat. In dem großen Laboratorium der Schöpfung mit ihren zahlreichen Versuchsstationen war in der Abtheilung der Entwickelung der Geschichte die achtzigjährige Episode David und Salomo, aus einer gewissen Richtung betrachtet, ebenfalls nur ein Versuch. So stellt R. Mose Chaim Luzzato die Regel auf, daß die talmudische Jobelwoche von 6000 Jahren menschlicher Geschichte nichts anderes bedeutet als eine Kette von Experimenten im fortwährenden Wechsel der Zeit für eine spätere stabile Ewigkeit. Aus dem grauen Alterthume ist bei den Völkern über die glanzvolle Epoche Salomo's nur eine Schilderung des zeitgenössischen Phöniziers Sanchuniathon erhalten, wie Salomo in weißem Seidengewande von Jerusalem nach seinem Sommerschlosse Etam