Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
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ne lange röͤlke, und mit bloſſem haupte nach der Teutſchen weiſe zu predigen angenom­men. ſ. 72. Es fein auch in jedweder Ge­meine noch ein Cantor, Lector, und Ki ſter geſetzet, deren lezterer von der Gemeine, die erſten beide aber gleich den Predigern aus den Churfuͤrſtlichen gefaͤllen erhalten worden. 2.;,.

Den weltlichen zuſtand und Gerichte be­treffend, nachdem dieſelhe aus verſchiedenen Probinzen, und folgendz nicht einerlei hu­meurs geweſen; dieſelbe zum theil auch mit

einigen mitteln gekommen, auch in hoff­nung geſtanden mit der zeit mehr dazu zu erwerben; anbei mit den Einwohnern des Landes täglich umgehen muͤſſen, und dar­über leichtlich in mißhelligkeit gerahten Fünz nen; die Richter des Landes aber darin nicht gar wohl ſchlichten konnen, theils aus mangel der ſprache, theils weil ſie leichtlich auch bei den gerechteſten ausſpruch in verdacht hätten koͤnnen gezogen werden; hergegen unter den neu angekommenen unterſchiedene Rechtsgelehrte ſich gefunden, welche in Frankreich Raͤhte oder Advoca­ten, oder von andern dieſer art geſchiklich­keiten geweſen: als ſein aus ſelbigen Rich­ter genommen, und jedweder Kolonie einer vorgeſetzet worden, welche ihre Secretarien und Procuratores, und geſtalten ſachen nach ihre Beiſttzer, auch ein beſonderes fie gel gehaht, entweder einen Adler mit dem Churhut und einen Zepter auf der bruſt, oder einen bloſſen Zepter mit dem Churhut, im uͤbrigen aber die ſachen nach der billig­keit, oder auch allgemaͤhlig nach den Rech­ten des Landes entſchieden; welches auch nachgehends durchgehends zur regel wor­den, wornach die buͤrgerliche haͤndel un­ter ihnen geſchlichtet werden. Uber die Doͤrfer iſt ein Aufſeher geſetzet worden, wel­cher die Kolonien auf dem lande von zeit zu zeit beſuchet und die ſtreitigkeiten ge­ſchlichtet. Die Richter insgeſamt aber haben ihren Oherrichter in Berlin gehabt, un welchen die appellationes ergangen, und der den endlichen ausſpruch im na­men Sr. Churfuͤrſtl. Durchl. gethan. Sie wurden alle bon Sr. Churfuͤrſtl. Durchl. beſoldet, und durften ihre hedienungen nicht, wie in Frankreich kaufen, ſondern wurden ihnen ohne entgeld von der Hohen Herrſchafft zugewandt, die ſie auch nicht auf eine zeitlang, ſondern zeit ihres lebens (behielten. Il. Kap. ſ. 73. Dieſer einrichtung zufolge hatten in anſehung der Gerichtbar­keit und Polizei die Kolonien mit den einhei­

Erſter Theil, von der Mark inzgemein. V. Kap.

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miſchen Einwohnern und den Magiſtraͤ­ten zwar nichts zuthun. Weil es aber gleichwohl je und zuweilen einigen verſtoß zwiſchen den Teutſchen Magiſtraͤten und den Franzöͤſiſchen, Walloniſchen und Pfaͤl­ziſchen Kolonierichtern gegeben; indem erſte­re die cognition und execution in den zum Polizei⸗Serbis⸗ und collecten- weſen gehörigen ſachen allein behaupten, leʒtere aber ſplche uͤber die zu den Franzoöſiſchen, Walloni­ſchen und Pfaͤlziſchen kolonien gehörige Leute nicht einraümen wollen; ſondern wermoͤge der deshalb. 1712. 1719. ergangenen edicte

die cognition und execution in dergleichen

ſachen über ihre koloniſten privative zuha­ben gefodert: ſo haben Se. Koͤnigl. Mas jeſt. Friedr. wih Hochſel. Ged. um die­fe dem gemeinen beſten höͤchſt ſchaͤdliche zwi­ſtigkeiten mit einem mahl abzuſchneiden, den freiheiten der Kolonien ohne ſchaden unterm dato Berlin 8. Oetobr. 1739. verordnet, daß alle Polizei⸗Servis⸗Feuer⸗Societaͤt­und andere collecten- ſachen, wenn fie die ganze Kolonie oder einen Privatum daraus anginge, von den Magiſtraͤten in den Staͤten, als worinn zu ſolchem ende alle Franzoͤſiſche und andere Kolonienrichter Vo­tum& ſeſſionem, als Senatores ordina­rij kuͤnftig haben ſollten, erkennet und zur execution gebracht werden ſollten; jedoch alſo, daß, wo nicht etwa periculum in mora, keine cognition, noch execution über einen aus dieſen Kolonien anders, als in beiſein des Kolonierichters, davon verhaͤn­get werden füllte: es ware denn, daß der Kolonierichter laͤnger, als 14. tage krank oder abweſend, welchen falls dann derjeni­ge, welchem er feine arbeit aus der Kolo­nie aufgetragen, allenfalls auch auftragen ſollte, zu Rahthauſe ſit nehmen und das heſte der Kolonie beſorgen ſollte. Wie dann auch bei den Handwerks innungen, worin ſich 3 Meiſter von den Kolonien fanden, alle­mahl einer davon mit zum Altmeiſter an­genommen, dieſe Richter auch als kuͤnfti­ge Senatores nati bei den gewerken, wo ſich welche von der Kolonie faͤnden, als Aſſeſſores gleich den Teutſchen Rahtsmaͤn­nern, zugelaſſen werden ſollten und koͤnnten. Wo aber das Gewerk ſo ſtark, daß ſel­biges halb aus Teutſchen, und halb aus Franzoͤſiſchen, oder anderen Kolonien beſtuͤn­de, oder auch nur ein drittheil dabon Ko­loniſten waͤren: ſollten dieſe Kolonierichter allezeit, nebſt einem Teutſchen auch mit Aſſeſſores fein, um zugleich dadurch allen dieſerhalb ſp haufig borgekommenen klagen und

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