Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
403
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43 Zyeiter Theil, von den Alterthümern der Mark. I Kap. 40

worden: und wuͤrde hiermit Tacitus wieder­leget, welcher im XXVII. kap. meldet, daß ſolches bei den alten Teutſchen nicht gewoͤhn­lich; welches alſo entweder aus unwiſſenheit hieſiger gewohnheiten herruͤhret, oder von

andern Einwohnern Teutſchlandes muß zu­

verſtehen ſein. S. Rüdemanns ll. Samml. ſ. 256. woſelbſt des Hrn. Meibrings, da­mahligen Feldpreb. bei dem Prinz Leopold. Regiment Brief an denſelhen von dieſer ſache

zu leſen.

XII. Es iſt unſtreitig, daß weit mehrere Alterthuͤmer aus hieſigen gegenden aufzu­weiſen fein wurden, wann ſo viele Grab­ſtellen, welche bei ziehung der graben, urbar­machung der felder, pflůgung der aͤkker, gra­hung der Feldſteine, abfuͤhrung der Hügel und ſandhoͤhen, und bei andern gelegenheiten mehr, von ohngefehr entdelket worden, recht unterſuchet, oder was darin gefunden, bei­behalten waͤre; maſſen unzaͤhliche vorfaͤle angezeiget werden koͤnnten, daß die beſte Alterthümer, bald durch unwiſſenheit, bald durch bosheit des Bauern⸗ und Landvolks, zerſchlagen, zerbrochen, weggeworfen. Zum theil auch aus eigennuz um kleinigkeiten ver­kaufet, und auf viele andere unverantwort­liche weiſe der Nachwelt entriſſen worden. Um fo unſchaͤt barer iſt dieſenige auserleſene Sammlung der Alterthuͤmer hieſiger ge­genden, fo der Köoͤnigl. Hofraht, Hr. Chri­ſtian Gottfried Elteſter in Berlin heſttzet; welcher nach einer ganz beſondern neigung zu den Alterthuͤmern des Vaterlandes, ſeit Dielen jahren, eine unzaͤhlbare menge Heid­niſcher Begraͤbnuͤſſe, mit vielen koſten und gröͤſſeſter aufmerkſamkeit unterſuchet.

Die menge der unter den Grab⸗ und Feld­altaren aus den uralten Rieſenbetten, Hel­denhuͤgeln und Begraͤbnuͤßbergen hervorge­nommenen Leichtoͤpfe, iſt ſo groß, als fie ir­gend in einem Antiquitaͤten⸗Kabinette zuſin­den, daß bei allen ſchoͤnheit und ſeltenheiten anzutreffen. Einige ſind mit der Aſche, an­dere mit den verbrannten Gebeinen ſowohl mittelmaͤßiger und groſſer Perſonen, als der kleinſten Kinder, noch wuͤrklich angefuͤllet.

Die verſchiedene ahrten des Opfergeraͤhtes an Kannen, Kruͤgen, Bechern, Schalen und dergleichen, find ſehr merkwürdig, theils we­gen ihrer ſchoͤnen Geſtalten, theils wegen des zahrten thons, indem ſie aus der feinſten erde beſtehen; wie ſie dann mehrentheils in an­dere ſchlechtere Gefaͤſſe eingeſetzet, gefunden worden, zum beweiß, daß dieſe Gefaͤſſe bei den alten Heidniſchen Einwohnern und ih­

ren Goͤtzenprieſtern, in groſſem wehrt gewe­ſein fein muͤſſen..

Einer ganz beſondern aufmerkſamkeit aber verdienen die viele Opfermeſſer, wel che größten theils aus Flinten⸗ oder Feuer­ſtein, Fünftlich und mühſam gearbeitet fein; deren Alterthum ſich ſehr hoch erſtrelket, und aus den zeiten herſchreibet, da das Ei­ſen und Erzt noch nicht erfunden, oder doch deren gebrauch unbewußt geweſen. Und wiewohl in den tiefen und zum theil feuchten gruͤnden der Grabhuͤgel und uͤhri­gen Grabſtaͤtten, vieles geraͤhte von roſt und laͤnge der zeiten, dergeſtalt verzehret worden, daß es nicht aufbehalten werden koͤnnen; ſo hat dennoch die aufmerkſame unterſuchung fo: gar vieler Begraͤbnüͤſſe, dieſen abgang erſetzet, und viele vportrefli­che ſeltenheiten entdelket, womit die Alten ihre Todte zur erde beſtattet.

Der ganze Schmuk, womit das altt Teutſche Frauenzimmer hieſiger gegenden, bekleidet geweſen, die zierlich verfertigte Haarnadeln, Ohrgehaͤnge, Halßkettlein, weiß ſteinerne buntgefaͤrbte⸗thöͤnerne⸗ auch glaͤſern⸗ und bernſteinerne Korallen, Arm­baͤnder, Daumen⸗ und Jingerringe, wor­unter zum theil Guͤldene und dergleichen, kann folches beſtaͤt gen.

Es fehlet auch nicht an verſchiedenen gat­tungen bon Schnallen, Heften, Span­gen, Haarzaͤnglein, Meſſern, Wetzſteinen thoͤnern⸗ ſteinern⸗ und glaͤſern Spindelſtei­nen, und was ſie ſonſten im haus weſen von noͤhten gehabt. Des Pferdeſchmuks, und vieler anderer ſtuͤlke nicht zu gedenken, da­von der vormahlige gebrauch, noch zur zeit, nicht entdelket werden Fönnen,

Die Ruͤſtungen und Waffen der Alten, womit ſelbige ſo viele ſiege, ehre und ruhm erworben, welche ſo rar, daß ſelbige auch in den vollſtaͤndigſten Ruͤſtkammern ver­geblich geſuchet werden, trifft man hier in ſolcher menge an, als ſelbige ſchwerlich ie­mahlen beiſammen werden gefunden werden; wovon ihre Pfeile, Spieſſe, Dolche, De gen, ſteinerne Faͤuſtlinge, Streit- und Donneraͤrte, zeigen mögen.

Und weil man glaubet, den Liebhabern der Alterthumer einen gefallen zu erweiſen, wann von einigen dieſer uralten uͤberbleibſel ein

abriß mitgetheilet werde; gedachter Herr

Hofraht als Eigenthuͤmer dieſes herrlichen Schatzes aber ſich fo geneigt und willfertig hezeiget, und einige ausnehmend ſchöͤne und ſeltene ſtuͤk und deren erklärung mitgethei­let: als ſtellet Tab. Vll. und X. vor einigt

rare