Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
405
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rare Opfergefäge der Heidenſchen Einwoh­ner, welche hieſiger gegenden hin und wie­der ausgegraben worden. Die Roͤmiſche Opfergefaͤſſe hatten ihre eigene benennungen, und wurden in praefericula, ſimpula, po­cula, ampullas/ guttos, hateras, pat ellas, getheilet. ‚Saft ein gleichmaͤßiger unter­ſcheid koͤnnte bei unſern Opfergefaͤſſen gar leicht gezeiget werden: wann es an ders das porhaben waͤre, umſtaͤndlich dabon zu han­deln. Jedoch wird denjenigen, welche ſich in den Alterthümern ein wenig umgeſehen, nicht ſchwer fallen, unſere Gefaͤſſe ihren ge­

ſtalten nach, zu unterſcheiden. Dieſes aber

verdienet hemerket zu werden, daß die, in ihrer eigentlichen groͤſſe, mehrentheils vor­geſtelte Gefäße, hon einem ſehr zahrten thön, der farbe nach, roͤhtlich, auch aſchgrau, und fo ſchoͤn als ein Marmor; wann enhero fie, denen Roͤmiſchen, aus Samiſcher erde verfertigten Opfergefaͤſſen, nichts nachge­

ben. Sie ſein auf das ſauherſte gearbei­

tet, und werden oͤſters in andere, jedoch ſchlechtere Gefaͤſſe, eingeſezt gefunden. Man

trifft zuweilen zwei bon gleichem thoön und

gleicher geſtalt heiſammen, nur, daß fie der groͤſſe nach, etwas ungleich. Niemahls aber ſtehen fie aufgerichtet; ſundern werden auf die ſeite gelegt, gefunden. Die Opftr­ſchalen, dergleichen in Tab. Vll. X. 17. zu ſehen, ſein gar flach, zum theil mit, zum theil ohne henkel, von gleichen thön wie die Gefaͤſſe, worzu ſie gehoren; denen fie auch

jederzeit, und zwar zu 2. und 2. oder zu 4.

und 4 ineinandergeſetzet, doch umgeſt ür zet zur ſeiten liegen. 6. Etwas ſeltſames iſt es, daß die in Tab. Ilx. x. 1. und u. abgebildete Opfergefaͤſſe, deren das erſte von weitem, das andere, von ſehr engen mundloche, vom fuß ſpitz, daß fie nicht aufwaͤrts ſtehen konnen. Es wird von einigen, ſo die Roͤmiſche Al­terthuͤmer beſchrieben, gemeldet: daß der­gleichen ahrt Gefaͤſſe bei den opfern der Goöͤt­tin Veſta, gebrauchet worden. Das Opfer­waſſer, welches in ſolchen Gefaͤſſen enthal­ten war, durfte nicht auf die erde geſetzet werden; angeſehen ſolches fur ein groß ber­brechen gehalten wurde. Dieſem vorzubeu, gen, habe man dergleichen Gefaͤſſe erfun­den, welche nicht ſtehen koͤnnten; ſondern, wann ſie ja niedergeſetzet wurden, ſpfort alles verſchuͤtteten. Vas fictile& futile, a fundendo dictum; lato ore, fundo au­guſto; quia aqua, ad ſacra Veſtae in terra non ponitur; quod fi fiat, piaculum eſt; ideo& cogitatum eſt vas, quod ſtare non

poſſet ſed poſitum, ſtatim effunderetur. Lomeier in Luſtrationibus veterum Gen­tilium. gap. 17..

Oh unſere alte Einwohner bei dieſen Ge­faͤſen, welche ſelten angetroffen werden,

gleiche, oder andere abſichten gehabt, ſtehet dahin; es iſt aber wohl zu vermuhten, daß ſie ſolche ahrten nicht ohne alle urſach in gebrauch. werden gezogen haben.

Es kömmen aher nicht nur dieſe, ſondern

auch die übrige Opfergeſchirr unſerer alten

Einwohner mit den Roͤmiſchen, welche hin und wieder in Münzen, wie beim Choul de

religione veterum Romanorum, und in

Marmorihus, wie hei dem Boiſſardo, in Lo­

pographia Romaha, und andern Schrift­

ſtellern zuſuchen, ſehr uͤberein, fo, daß nicht

nur daher, ſondern auch aus mehreren gruͤn­

den zu behaupten, daß dieſe Gefäͤſſe keines­

weges unter die eigentlich Aſch und Lelch=

toͤpfe, ſondern zu derjenigen ahrt zu rechnen,

welche bei dem Opferdienſt gebrauchet wor­

den; es ſei, daß fie den oberirdiſchen oder

den unterirdiſchen Göttern bei der verhren­

nung und beerdigung ein Opfer gebracht.

Die Opfergaben ſelbſt aber, welche nach he­

ſchaffenheit der Perſßnen und des hermoͤgens

gebracht wurden, heſtanden unter andern

in Waſſer, Wein, Milch, Bluht, Oehl,

Weirguch und dergleichen. Nachdem nun

die Gefaͤſſe zu einem oder dem andern beſtim­

met waren, wurden in denſelben, das er­

foderliche zum Altar getragen, von den

Prieſtern in die Schalen oder Becher

daſelbſt eingegoſſen, mit beſondern feier,

lichen handlungen auf die Altare geſetzet, die Goͤtter darbei angerufen, die Opfer­gaben ſelbſt auch, zum theil in das Altar feuer gegoſſen. Auf welche und andere weiſe die Opferhandlungen vollbracht, die Seelen der Verſtorbenen aber, den Got, tern willkommen und angenehm gemacht zu werden, geglaubet worden. Nach verrich­tetem Opferdienſt, wurden dieſe durch die Opferhandlung, von allem gemeinen gebrauch abgeſpnderte Gefaͤſſe, zu der Aſche und Ge­beinen derer, für welche die Opfer angeſtel­let und gebracht waren, mit eingeleget und verſcharret; wobon beydes was die Opfer, als auch die Opfergehrauͤche betrifft, L0= meieri Luſtrationes veterum gehtilium, Stuckii, item Sauberti Sacra& Szcrificia Vererum, mehr nachricht geben werden. Was die, in Tab. 1X. und den folgenden, ihrer eigentlichen gröffe nach, abgezeichnete Alterthuͤmer anlanget, ſo iſt mit wenigem anzufuͤhren, daß bei den Heidniſchen Bol: kern