Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
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545
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555 Dritter Theil, Naturgeſchichte der Mart Brandenburg. J. Kap. 546

Was man von einem gewiſſen groſſen Winter beim Baronius lieſet, daß der wein, hrantwein und ſtarke waſſer gefroren, und das kraͤftigſte davon in der mitten ſich noch gehalten habe, das hat man auch in dieſem Winter wahrgenommen. Da das eis nun in den groſſen Fluͤſſen ſo dikke geweſen: daher iſts, daß ſowohl ſtehende, als ſchnell gehende waſſer ſehr lange und bis ende des Aprils gez ſtanden, ehe ſie zum aufbrechen muͤrhe gewor­den; auch durch das erfolgte ſchnee⸗ und thau­waſſer die uͤberſchwemmung deſto groͤſſer und haufiger geweſen. Was hiedurch hin und wieder für ſchade geſchehen, das wird un­ten bei beſchreibung der gewaͤſſer angemerket werden.

Es hat aber dieſe groſſe heftigkeit ſich nicht allein an lebloſen geſchoͤpfen, ſondern auch an den dingen ungewoͤhnlicher maßen ge­auͤßert, und ſehr betruͤbte folgen gehabt, wel­che einen wachsthum, leben und empfindung haben, an Menſchen, Thieren und Gewaͤchſen.

1) Bei den Menſchen hat ſie die ſchaͤd­liche folge gehabt, daß die gliedmaßen verfro­ren, der leib erſtarret, auch gar der othem mit dem lehen ausgegangen. Daß die glied­maßen, naſen, ohren, finger, zeen, kinn, ber­frieren, iſt eine ſache, die ſich auch wohl

bei nicht ſo gar heftiger Kälte zutraͤgt, und durch die länge, oder durch mangel der klei­dung verurſachet wird, inſonderheit bei de­nen, welche weichlicher natur ſind, und überhaupt die Kalte nicht vertragen koöͤnnen. Daher es auch hier nicht zu verwundern, wann Leute, welche in freier luft gearbeitet, naſen, ohren, finger und zehe verfroren, de­ren beiſpiel unzaͤhlich viel ſein. Aber darinn iſt was ungewöhnliches, wenn dergleichen geſchiehet in ſehr kurzer zeit, und da man ſich wieder die Kaͤlte wohl verwahret gehabt, dabon wir einige beiſpiele anführen wollen. Ein Prediger aus der Stendaliſchen Inlp.* hat nur eine biertel ſtunde ſich am 10 Febr. in der Kaͤlte aufgehalten, und ohngeachtet er das angeſicht ſehr wohl verwahret, den­noch das kinn verfroren, welches ganz weiß worden und dik aufgelaufen. Als er daſſelhe ins waſſer gehalten, iſt das eiß ſtrohhalm dilte durch die haut gebrochen, das kinn roht und nach einigen tagen wieder beſſer worden. Einem andern Prediger iſt das bluht aus dem Sefichte und Ohren für Kälte geſprungen. Zu Rochau in der Altmark, Stendal. In. ſpeclion fein zweien Bauern die fuͤſſ und finger an beiden haͤnden verfroren und abgefau­et, daß fie beide auf krikken gehen müiſſen, der eine auch gar keine finger hehalten: wiewohl

dabei auch einige verſauͤmniß oder verwahr­loſung mag vorgegangen ſein.

Indem etliche Frauensleute zuſammen nach einem orte gehen in der Altmark, Salz­wedel. Inſp. bleibet die eine ganz erſtarret ſtehen, und wuͤrde erfroren ſein, wann nicht die andern ſolches beizeiten gemerket, ſie mit ſich genommen, und in mehrere bewegung ge­bracht haͤtten.

Es hat aber auch nicht gefehlet an ſolchen die durch den froſt gar das leben verlohren, derjenigen zu geſchweigen, welche theils im winter durch die peripneumonie oder eng­bruͤſtigkeit, theils im fruͤhjahr und ſommer weggeraffet worden, welche allem vermuh­ten nach den grund ihrer krankheit aus dem winter mitgebracht: ſo fein auch viel wuͤrk­lich erfroren. Dergleichen iſt wiederfahren ei­nem Mann der beim Dorfe Steimke todt ge­funden worden, da er aus der Muͤhle nach hauſe gehen wollen, auch andere welche man hin und wieder todt gefunden, ob ſie wohl nicht namhafft gemacht worden.;

Ein Handwerksmann in Wuchter aufm we­ge nach einem andern Dorfe; Bettelleute aufm Wallinſchen felde, der Schulze aus Laͤrzen, einem Meklenburg. Dorfe, Kaſp. Zillmann, der ſeine Braut aus Deſſau in der Altm. abho­len wollen, iſt am 5 Febr. auf dem felde im ſchnee todt gefunden worden. Ein Hirten junge bei dem viehhuͤten zu Jallenhagen Pritzw. Inſp.; etliche Menſchen bei Seddien, Putlitz. Inſp. und bei Soͤhlentin Wilsnack. Inſp; eine Frauensperſon auf dem Schwanebekſchen felde, Stifthrandenb. Inſp. ein Kammacher aus Berlin, der zu markte reiſen wollen, auf dem felde bei Harnekop, Writzen. Inſp. ein Bote, der im treibenden ſchnee von der Land­ſtraſſe geirret, zwiſchen Liebenfelde und Kuͤ­ſtrin; ein Einwohner aus Marwitz und noch am 5 Mai ein Mann und Junge ſamt den pferden unweit Baiersdorf in der Neumark; ein Soldate der nach holz gefahren, bei Drie­ſen; ein Schuſter zwiſchen Woldenberg und Friedeberg; ein Tageloͤhner bei Dramburg; ein Bauersmann aus Lienike, Martin Schmide, der am 3 Mai aus Tempelberg broht holen wollen, iſt unterwegens nicht ſo ſehr von Kälte als hunger geſtorben; ein Muͤllerburſche zwiſchen Luͤhno und Oderberg; ein armes Menſch zwiſchen Logau und Tie­mendorf; ein Badergeſelle bei Templin; ein Bauermann aus Neu⸗Lagau, Zach. Pauls ke, nahe bei Redniz, da er hinfahren wollen; eines Schaͤfers Sohn zu Spiegelberg, Son­nenburg. Inſp. Martin Steige, am 23 Jan. quf dem Korikiſchen felde; ein Weib am 9 Jan.

Mm 3 tzwiſchen