Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
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547
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847 Dritter Theil, Naturgeſchichte der Mart Brandenburg.. Kap. 548

zwiſchen Markern und Schwaneberg; ein Mann aus Zeſtow; ein Mann bei Altrup­pin; eine Frauensperſon zwiſchen Granſee und kuͤdersdorf; ein Alkerknecht am 27 Febr. bei Bukkow, Zieſar. Infp.; eine arme Frau bei Bellin in der Neumark todt und theils im ſchnee gefunden worden.

Ein beifpiel von beſondern umſtaͤnden hat ſich zugetragen im Amte Salzwedel mit ei­

nem Bauer von 45. jahren. Dieſer reitet

am 10. Jun. nachmittags nach dem im Luͤ­neburgiſchen gelegenen ort Bergen, uͤbernimt ſich etwas in brant wein, faͤllt im ruͤtweg vom pferde, und bleibt von 8 uhr abends bis 9 uhr folgenden morgens auf freiem felde und

in der heftigſten Kaͤlte liegen, da man ihn

denn halb todt nach hauſe gebracht, in ein bette gelegt, mit warmen tuͤchern gerieben und Ungariſchwaſſer in den hals gegoſſen. Darauf iſt er zwar wieder zu ſich ſelber gekom­men: aber beide haͤnde und die zehen an den fuͤſſen fein. ganz erfroren geweſen, und ha­ben nicht anders als ein braunes duͤrres holz ausgeſehen, auch muͤſſen abgenommen wer­den. Nach einem harten lager von 4 mo­naten iſt er voͤllig wieder geſund worden; kann auch ohngeachtet der abgelößten zehen doch gut gehen. Ohne zweifel hat hier der brantwein das an ſich raſche gebluͤhte in hef­tige bewegung gebracht, und in den ſtand ge­ſetzet der auſſerordentlich harten kaͤlte zu wies derſtehen: ſonſt er ſo wohl, als die thiere ſo in derſelben nacht erfroren, wuͤrde haben ſter­ben muͤſſen. Auch haben ſich nach dem Win­

ter hin und wieder krankheiten geauͤſſert,

welche ihren grund noch in dem winter ge­habt: ſonderlich gingen die bruſtfieber ſtark herum, daran auch viele ſowohl Kinder, als Alte geſtorben. Um der gegend Mechau und ſonſt gerieht bei vielen das gebluͤhte in ein wallen, dabei ein heftiges kopfweh mit ſeiten­ſtchen und mit einer bruſtkrankheit ſich ein­fand, daran viele geſtorben, diejenige aber ge­rettet worden, welchen man mit aderlaſſen, dia­phoreticis und diluentibus zu huͤlfe gekom̃en.

Anderswo iſt im fruͤhling den Leuten der hals und unterſte theil des geſichts geſchwol­len, jedoch bei maͤßiger hitze, ohne angſt oder ſchaden. Es hat auch wohl die Leute eine bruſtkrankheit uͤberfallen, dabei ſie ihres ge­hoͤrs, geſichts, ſelbſt ihrer bernunft berau­bet, zunge und haupt geſchwollen geweſen, dergleichen man ſonderlich 1741. in Kleinau, Arneb. Inſp. wahrgenommen. Eine heſon­dere art von krankheit hat ſich in eben dem jahr zu Staats Gardel. Inſp. und zu Pol­kau Oſterb. Inſp. und ſonſten geauͤſſert, da

den Leuten die haͤnde mit den größten ſchmer, zen zuſammengezogen worden, welcher ſchmer; bis an den ellbogen, und in den fuͤſſen hiz an die knie gezogen, und mit einem hitzigen fieber ſich angefangen, und unter der epi. jepſie bei aller ſinnloßeheit ſich geendiget. Einige davon haben nach dem ſtarken anfal mit gutem appetit gegeſſen, und fein geſtor­

ben, und erhellet aus den Signis diagno.

ſticis, daß es Febris acuta-ſpaſmodico. convulſiva und ehen das geweſen, was oben die Krumme Krankheit genennet worden.

II. Nicht weniger haben die thiere gelit­ten, ſowohl das gefluͤgel in der luft, alz die ſiſche im waſſer, und die thiere auf dem Lande, ſelbſt auch diejenige, welche der Kaͤlte gewohnet, oder ſelbige ziemlich aus­halten konnen.

1. Vom Geflügel hat man dannenher­auch Sperlinge, Gruͤnſelinge, Zaunköͤnige: waͤhrender Kaͤlte im ausgang des winters, und anfang des fruͤhlinges inſonderheit auch Schwalben, welche gleichwohl mit den Stoͤ­chen ihre zeit gehalten, hon den daͤchern ſingend herunter fallen ſehen, ſonſten aber hei fat:

ſende todt gefunden; welches dann zwar groſſen theils dem mangel des fraſſes und des geflügelten ungeziefers zuzuſchreihen, da­hon ſonſt meiſtentheils die Voͤgel leben, noch aber hier nichts gefunden, iedoch feinen grund in dieſer kaͤlte hat. Was von dieſem übrige geblichen, hat wegen früh eingefallener Kulte zu gewöhnlicher zeit um Maria geb. nicht fortkommen koͤnnen, und fein in die Oder oder andere waſſer gefallen, haben zu den ſchi fen ihre zuflucht genommen, einige auch ſch bis in den folgenden monat ſogar noch auf dem eiſe aufgehalten. Im folgenden jahr haben die Hauſchwalben ſich faſt gar nicht ſehen laſſen.

Den mangel des fraſſes und die daher ent ſtehende noht haben ſonderlich die Raben dur ihr rufen zu verſtehen gegeben, indem ſi des abends ſpaͤt bis gegen mitternacht wieder ihre gewohnhein geſchrien, und die Met ſchen durch ihr geſchrei auf einiges nachden, ken und uͤberlegung deſſen gebracht, wa Pf. CXILVII, 9. von ihnen geſaget wird Das zahme geflügel hat ſich zwar in ſtallen etwas bergen koͤnnen: allein die Kälte ha es auch da überfallen, daß viele ebenfals CH froren: und wird an theils orten angemerl daß der Froſt mehr die Hahnen, als Huͤner be­troffen. Es kann alfo nicht fehlen, des 9 fluͤgels muß in den naͤhſt folgenden jahren vie weniger als ſonſt geweſen fein: und hat man dem mangel des gebgels, wo nicht.

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