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decken. Es ist dabei aber zu berücksichtigen, dass die obigen Zahlen beinahe das gesammte Nährstoffkapital des Bodens repräsentiren, also auch die in schwer löslicher Form enthaltenen, für die Pflanzen erst nach längerer Zeit aüufnehmbaren Stoffe einschliessen, ferner, dass dieser Höhenboden oft an Trockenheit leidet und somit während der kurzen Vegetationsperiode den Pflanzen nicht genügend Stoffe in aufnehmbarer, wirkungsfähiger Form zur Verfügung: stehen. Die Culturgewächse verlangen weiterhin einen gewissen Ueberschuss davon und ihre Wurzeln erheben einen ganz bestimmten Anspruch an die Concentration der Nährstoffe. Durch animalische Düngung und humose Substanzen, welche bei der Zersetzung Ammoniak, Kohlensäure und Wasser liefern, aus der Atmosphäre Wasser condensiren und den Boden feucht erhalten, empfängt derselbe aber erst die Fähigkeit, schwer lösliche mineralische Nährstoffe aufzuschliessen und Ammoniak aus der Luft in erhöhtem Grade aufzunehmen. Vortreffliche Dienste zur Verbesserung dieses Bodens leistet der in seinem Untergrunde anstehende Mergel; in ihm besitzt der Landwirth ein Meliorationsmaterial, das ihm stetig und billig zur Verfügung steht und das er unter allen Umständen erst verwenden sollte, bevor er zum Zukauf von Kunstdüngern schreitet. Ganz besonders wirkt der Mergel auf schwach lehmigem kalkarmem Sandboden, von 8 bis 10 Deeimeter Mächtigkeit in trockener oder feuchter Lage, bei sehr hartem Untergrunde und überhaupt auf Böden von geringer Cultur. Thoniger Mergel namentlich verbessert den Boden nicht nur physikalisch, sondern auch chemisch in Folge der werthvollen, fein vertheilten mineralischen Nährstoffe. Der Kalk besonders, an dem es dem Boden ausser Stickstoff stets gebricht, führt die organischen stickstoffhaltigen Bestandtheile der Dungstoffe in die für die Pflanze am besten verwerthbare Form— Salpetersäure— über, bringt die humusbildenden Stoffe bald zur Zersetzung, erhöht die Aufnahmefähigkeit für Ammoniak und Wasserdampf und wandelt schwer lösliche wichtige Bodenbestandtheile in für die Pflanzen wirksame Formen um. Bei derartiger Melioration kann aber gleichzeitig kräftige Stallmistzufuhr nicht umgangen werden,