Teil eines Werkes 
Grad-Abtheilung 43, Blatt 5 [Neue Nr. 3038] (1895) Glöwen : geologische Karte / geognostisch und agronomisch bearb. durch H. Gruner 1889
Entstehung
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44 Agronomisches.

Sorgfältige, alle Wirthschaftszweige umfassende Buchführung (Landw. Anzeiger).; Von derartigen Bemühungen, die landwirthschaftlichen Pro­

ductionskosten zu vermindern, gewahrt man aber im Bereiche des Blattes Glöwen auf den Aeckern der bäuerlichen Besitzer so gut wie nichts; Kainit nach welchem die Thalsandflächen insbeson­dere dringend verlangen,- ist trotz der günstigen Verkehrsver­hältnisse unbekannt, ab und zu finden nur einige Centner»Thomas­schlacke« Verwendung, welche den Pflanzen alle Nährstoffe bieten sollen... Man baut eben nur Roggen, Kartoffeln, Lupinen und Hafer und begnügt sich wie weiter unten gezeigt werden soll mit Erndten, welche kaum die aufgewendete Mühe lohnen können. Und mit welch geringen Kosten liessen sich verhältniss­mässig diese Erträge steigern! Mit Recht sagt in dieser Hinsicht Geh. Rath Dr. Thiel in No. 12 des 18. Jahrgangs der»Deutschen Landw. Presse« unter Anderem:»Keiner, der die deutsche Land­wirthschaft, zumal die bäuerliche, genauer kennt, wird daran zweifeln, dass es auch ohne Vermehrung dieser Anbauflächen nur durch ‚eine bessere Cultur möglich wäre, die Erndten so zu steigern, dass Deutschland seinen vollen Bedarf an Getreide selbst pro­ducirte; es müsste hierzu im Durchschnitt pro Hektar Weizen ca. 2 Doppelcentner, pro Hektar Roggen stark 1 Doppelcentner, pro Hektar Hafer nicht ganz 1 Doppelcentner und pro Hektar Gerste stark 2 Doppelcentner mehr ernten. Das sind Mehrerträge, die verhältnissmässig leicht zu erreichen wären und von denen ein grosser Theil noch dazu ohne wesentliche Mehrkosten für stärkere Düngung nur dureh bessere Cultur, Verwendung besseren Saat­gutes und Vermeiden aller Düngerverluste durch Stickstoff- und Jauche-Vergeudung fast ganz umsonst zu haben wäre. Hier liegen 2-300 Millionen Mark jährlicher Mehrwerth auf der Strasse, wenn man sich nur die Mühe geben wollte, sich danach zu bücken. Gegenüber einer solchen Erhöhung derjenigen heimischen Pro­duction, die im Gegensatz zur Industrie nie an Ueberproduction leiden kann, verschwinden eine Menge künstlicher Mittel zur Förde­rung unserer Handelsbilanz durch forcirte Begünstigung der Industrie, Bevorzugung derselben in Handels-Verträgen u. s. w. in nichts.«