Heft 
(1927) 36
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der Weidmann noch heute mehr als genug, was ihn entzückt; nicht zuletzt ist hier das Wildschwein vertreten, und zwar so zahlreich, wie kaum sonst in märkischen Forsten.

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Kein Wunder, daß von jeher Wilddiebe, zeitweise sogar Wilderer­banden im Blumenthal ihr böses Handwerk trieben und den Forstmännern viel zu schaffen machten. Am Ostufer des Gamensees steht versteckt im Walde eine Steinsäule mit schon verwitterter Inschrift. Einem Forst­manne Karl Lissag ist das Denkmal geweiht, der hier in treuer Pflichterfüllung nach hartem Kampf einer Wildererkugel zum Opfer fiel. So birgt auch der märkische Wald Blumenthal eine Tragik in sich, die man meint, nur im Gebirgswalde zu finden. Unzählige Wilderer- und Räuber­geschichten gehen um; denn auch Verbrecher und Räuber hatten im Blumenthal ihre Verstecke und Höhlen. Vom Räuber Eisemann, der bei den Reiherhorsten am Kienkopf bei Prötzel seine Höhle hatte, wird er­zählt, daß er seine Raubzüge zu Pferde ausgeführt habe. Selbst der ge­fürchtete, 1864 hingerichtete Raubmörder Karl Masch, der märkische Rinaldini, trieb in der Gegend des Heidekruges oft sein Unwesen, indem er den Fuhrleuten auflauerte, sie ermordete und beraubte.

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Obgleich der Blumenthal nie landesherrlicher Besitz gewesen ist, sehen wir doch die jagdliebenden Hohenzollern- Kurfürsten bis zur preu­Bischen Königszeit hier oft in der Ausübung der hohen Jagd, ja, auch verwickelt in Prozesse zur Erstreitung des Rechts der sog. Vorjagd. Joachim I. ließ sich 1521 von den von Platen auf Prötzel die Wildbahn und Jagd im Blumenthal abtreten, und sein Sohn, der spätere Johann von Cüstrin, war oft im Blumenthal und ergötzte sich auf den Seen mit Fischfang, oder aber er setzte ,, große Jagd" auf Wildschweine, Wölfe und Iuchse an. Nach 1533 scheint dies landesherrliche Jagdprivilegium lange Zeit aufgehört zu haben. Da 1590führte den Kurfürsten Johann Georg eine seiner Jagden in den Blumenthal, und die Schönheit des Waldes verfehlte nicht ihres Eindrucks auf ihn. Ehe eine Woche um war, wandte er sich an die Edlen von Barfus, die damals einen großen Teil des Blumenthals besaßen und bat um die Erlaubnis, in ihrem Walde jagen zu dürfen, Die Barfuse, vier Brüder, willfahrten gern dem kur­fürstlichen Ansinnen, ohne Ahnung, daß aus ihrer Willfährigkeit alsbald das dauernde Recht der, Vorjagd" gefolgert würde. Und dennoch ge­schah es. Ohne weitere Nachsuchung, gestützt auf das plötzlich erklärte Recht landesherrlicher Vorjagd", brach im Sommer 1602 das Jagdge­folge Joachim Friedrichs, des Nachfolgers Johann Georgs ,,, mit Hund und Horn" in die Waldungen ein, und das Gekläff von über 200 Rüden lärmte durch den Forst. Ehe der Tag um war, war das hohe Wild zu Tode gehetzt und der junge Waldstand vernichtet. Die vier Brüder aber, statt ihren An­hang zu den Waffen zu rufen, wurden klagbar beim Obergericht, und als nach 50 und mehr Jahren der Instanzenzug zu Ende war, war längst kein Barfus mehr hier ansässig. Nach den Zeiten des 30 jährigen Krieges sehen wir den Grafen Otto von Schwerin, den ,, Bismarck" des Großen Kur­fürsten, im Besitz eines großen Teiles vom Blumenthal; er trat gegen andere ,, Fisch- und Seegerechtsame" seinem kurfürstlichen Herrn und Gönner die ,, hohe rote Wildjagd" im Blumenthal ab. Auch diesmal ent­stand hieraus ein langwieriger Prozeß, der endlich durch die Königsberger juristische Fakultät dahin entschieden wurde, daß weder ein Schwerin noch ein Barfus Recht erhielt, worauf König Friedrich I. die in Frage stehenden Waldungen und Aecker 1706 seinem Günstling von Kameke als heimgefallenes Lehen verlieh. Kaum 100 Jahre später erscheinen die Freiherren von Eckardstein als Besitzer des eigentlichen Blumenthals; sie sind es bis heute geblieben.

Der Blumenthal ist, wie schon angedeutet, gekennzeichnet durch einen ungeheuren Reichtum von Geschieben, so daß der Geologe Silberschlag

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