Heft 
(1927) 36
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Rinnenseen). Am Ostrande des Blumenthals die Sternebecker und Prötze­ler Rinne, beide mit Rinnenseen.

Besonders bemerkenswert ist die Flora. Schweinfurth, der be­rühmte Afrikareisende, hat sie zuerst erforscht und die Ergebnisse die­ser seiner ersten Urwaldforschung in einer meisterhaften Vegetations­skizze niedergelegt, worin er u. a. sagt: ,, Der Blumenthal bietet dem Bo­taniker manche schöne Fundgrube und stellenweise eine Ueppigkeit der Vegetation dar, welche zu der Aeußerung veranlaßte, es wüchsen im Blumental drei Viertel aller märkischen Pflanzen." Berühmt sind die baumartigen, bis 10 Meter Höhe erreichenden Wacholder; Staunen er­regen die riesigen Kreuzdorne, nicht minder die kolossalen Sträucher von Weißdorn. Ihresgleichen suchen die ausgedehnten Haselgehölze. Er­wähnt sei das Vorkommen von Besenginster( Sarothamnus), der im Heidekruger Revier stellenweis undurchdringliche Dickichte bildet. Wie ein goldener Teppich bedeckt er zur Blütezeit den Boden. Von den Laub­bäumen tritt in ausgedehnten Beständen neben der Eiche besonders stark die Weißbuche auf. Sehr zahlreich sind Birken, häufig auch alte Linden. Mit ihnen mischen sich besonders an den Seeufern zwei nicht allzu häufig vorkommende Holzarten: der seit uralter Zeit in Deutschland heimische schwarze Flieder und die Ulme. Unter den Sträuchern ist das reichliche Auftreten von Himbeeren, stellenweise auch Stachelbeeren bemerkens­wert. Die Gründe, z. B. Grenzgrund, und Abhänge der Seeufer beher­bergen in ihrem tiefen Schatten unter Laubgebüsch( z. B. der Lattbusch) auf reicher Humusbildung eine große Anzahl seltener Gebüschpflanzen. Eine Zierde des Blumenthals bildet die Maiblume, die hier in gleicher Pracht und Fülle vorkommt, wie in den Buchenwaldungen Rügens. Sehr zahlreich findet sich Waldmeister, vielfach Wintergrün( Pirola), jenes zartduftige Pflänzlein, das die staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege z. B. auf Norderney und Borkum in dauernden Schutz genommen hat. Doch die Königin der Blumen des Blumenthals, die great attraction, wie sich der berühmte Botaniker Ascherson ausdrückt, ist die Melittes melis­sophyllum. ,, Durch Größe und Farbenpracht ihrer Blüten vor den mei­sten Landeskindern ausgezeichnet, würde sie selbst einer reichen Tropen­vegetation zur Zierde gereichen, krönt daher den schon im Namen be­gründeten Ruhm dieser Landschaft aufs würdigste"( Ascherson). Nichts­destoweniger hat Dorf und Wald seinen Namen von dieser Blumenpracht; nach Ansicht des Kreishistorikers von Oberbarnim, R. Schmidt, ist Dorf Blumenthal vielleicht eine Gründung der Adelsfamilie Blumenthal, die, aus dem Magdeburgischen stammend, seit 926 in der Mark nachweisbar ist, und deren Stammsitz die jetzige Burgruine Horst in der Prignitz war. Ist die Dorfstätte Blumenthal, wie allgemein angenommen wird, auf der sog ,, Alten Stadtstelle" zu suchen, so lag das Dorf nicht in einem Tal, sondern auf einem hügeligen Plateau; lag es am Blumenthalsee, so träfe die Bezeichnung ,, Tal" zu.

Der ungemein reichen und üppigen Pflanzenwelt stellt sich die Tierwelt ebenbürtig zur Seite. Nicht unerwähnt sei hierbei das Vor­kommen gewisser Arten von Laubschnecken, die nach wissenschaftlicher Forschung die Urwüchsigkeit der Laubholzbestände in den feuchten Teilen verbürgen. Bedeutend ist natürlich von jeher der Wildstand. Wir be­gegnen alten Aufzeichnungen, die von der Hohen- und Niederjagd sprechen, bei denen wir kopfschüttelnd fragen, ob denn ein solcher Wild­reichtum wirklich ehemals in unseren märkischen Wäldern möglich ge­wesen sei. Freilich sind die Urtiere verschwunden, auch die noch in geschichtlicher Zeit oft genannten Jagdtiere, wie Bär und Luchs, Elch und Wolf sind ausgerottet von letzterer Gattung ist der letzte 1823 im Jagen 66 des Prötzeler Reviers( Holztafei) erlegt worden; die letzte große Wolfsjagd wurde im Blumenthal 1769 abgehalten. Immerhin findet