Heft 
(1927) 36
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Blumental auf dem hohen Viadukt stand, der den Gamengrund über­brückt: vor sich das rauschende Wipfelmeer vielhundertjähriger Eichen­und Buchenriesen, gen Norden das schwermütige und doch liebliche See­auge des Gamensees. Der weit gereiste Forscher konnte sich nicht ge­nug wundern über die Anmut dieser Aussicht, die er für eine der schön­sten des nördlichen Europas erklärte, aber nicht weniger über die Oede, über das Erstaunen der wenigen begegnenden Leute, hier Fremde zu sehen, und über die allgemeine Unkenntnis, welche über den Blumenthal­wald in der nachbarlichen Metropole der Intelligenz herrschte.

Die Blumenthal- Waldzone, kartographisch dargestellt auf Blatt. Prötzel der preußischen Landesaufnahme auch geologisch aufgenom­men-, bildet für märkische Verhältnisse eine Hochfläche, eine Gebirgs­landschaft im kleinen. Ihre durchschnittliche Meereshöhe beträgt 100-120 m( Berliner Spreetal 32 m NN.). Die Waldkolonie Heide­krug( 139 m) ist die höchstgelegene Siedlung im Barnim, vielleicht in der ganzen Mark. Im Blumenthal( rund 100 qkm) trifft man kein Dorf, kein Gasthaus; nur Vorwerke und Forsthäuser liegen versteckt in des Waldes Tiefen. Erst am Rande des Blumenthals erblickt man dörfliche Siedelungen, durchweg adelige Rittergutsdörfer. In gewissen Abstän­den umgürten sie die Waldlandschaft mit ihren festen Rittersitzen, burg­artigen Kirchen und hohen Feldsteinmauern und bilden gleichsam die Außenwerke der in ihrem Rücken liegenden Waldesfestung, die Hüter und Heger gegen jeden massenhaften Aufmarsch. Der große Waldesdom war aber auch umgekehrt stets der Schutz und Zufluchtsort der Anwoh­ner in kriegerischen Zeiten. Die Hussiten allerdings wichen nicht vor ihm zurück, auch nicht die Russen im Siebenjährigen Krieg( Russengrund), Wallenstein dagegen auf seinem Zuge nach Stralsund mied ihn. Die adligen Grundherren der Blumenthal- Randdörfer sind auch die Besitzer des herrlichen Waldes. Den größten Anteil hat die hier reich begüterte freiherrliche Familie von Eckardstein( etwa 6000 ha), die für Erhaltung der alten Waldnatur des prächtigen Waldes großes Interesse bekundet. Materialien für bodenständige Industrie sind so gut wie gar nicht vor­handen. Die Bergwerksindustrie an der Ostgrenze bei Herzhorn in der Ausbeutung der Braunkohle ist still gelegt; die Kalkbrennerei im Leuen­berger Revier, die 1814 angelegt wurde, ist längst wegen Mangels an Erdkalk, den man verarbeitete, eingegangen. Die innerhalb des Blumen­tals auftretenden Ablagerungen gehören durchweg der jüngsten Erdbildung an. Aus dem Tertiär sind ganz vereinzelt Braunkohlen und tertiäre Sande bei Sternebeck, Prötzel und am Kesselsee nachgewiesen. Allem Anschein nach ist südlich von Biesow auch Septarienton vorhanden. Den Haupt­bestandteil bilden eiszeitliche Ablagerungen, die teils unmittelbar von dem Inlandeise als Moräne, teils von dem Schmelzwasser des Inlandeises als Ausschlämmungsprodukte der Moräne abgesetzt worden sind. Diese gla­zialen Ablagerungen erklären und bedingen die Vegetations- und Kultur­formen. Die tiefen- und schmalen Rinnenseen lassen erkennen, daß ihre Ausschürfungen durch ganz bedeutende Wassermassen erfolgt sein müs­sen, die heute nicht mehr vorhanden sind. Ungeheuer reich ist die Land­schaft an nordischen Geschieben. Von den alluvialen Ablagerungen sind bemerkenswert die Torf- und Moorerde- Becken am Schloß- und Lattsee, unter denen stellenweise Wiesenkalk lagert.

Die Oberfläche erhält ihre Gliederung durch schmale Furchen, vereinzelte kleine in die Hochfläche eingesenkte Seebecken und sog. Kehlen. Die bemerkenswerten Talzüge sind: Gamengrund- Rinne( Trok­kental mit Rinnenseen), Lattgrund- Rinne( Trockental mit den Rinnenseen Piche, Latt, Ihland), Grenzgrund- Rinne( wasserleere, floristisch bedeut­same Schlucht am Lattbusch), Wilkendorfer Rinne( Trockental mit Schloß- und Herrensee) und Lettiner Rinne( Trockental mit 3 kleinen

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