Heft 
(1927) 36
Seite
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hat so ein Dorftier, das da nachts spukt. Der Kern dieser Sagen ist altheidnisch und zurückzuführen auf den uralten Volksglauben von der Seelenwanderung. Die Seele von Mördern, Frevlern, Ermordeten, Menschen, denen ein Unrecht geschah, das nicht gesühnt wurde, findet keine Ruhe und geht in Tiergestalt um. Dem nächtlichen Wanderer oder Fuhrmann springen die ,, Umgehenden" auf den Rücken, quälen und ängstigen ihn; erst an der Grenze( Grenzfrevler), an einem Kreuzweg, am Dorf oder vor der Haustür wird der spät Heimkehrende den Auf­hocker los. Dieser Gespensterglaube Gespenster sind die Seelen von Ver­storbenen erhielt seine Ausbildung und Verbreitung wohl erst durch das Christentum mit seiner Lehre von dem Reinigungsbrand der Seelen, dem bren­nenden Fegefeuer, daher die häufige Begleitung von feurigen Spukerscheinungen. Wenn nun auch bei diesen Tiergespenstergeschichten die Frage nach dem Urgrund selten beantwortet werden kann, so ist doch als sicher anzunehmen, daß hier eine Gewalttat, ein Mord oder Frevel dahintersteckt.

Golther( Handbuch der germanischen Mythologie, S. 79) vermutet den Ursprung alles Gespensterglaubens in dem pathologischen Zustand des Alp­traums". Aehnlich Laistner in seinem Rätsel der Sphinx. Grundzüge einer Mythengeschichte". Wenn wir heute sprechen hören: Ich graule mich", womit der Sprechende eine bange Scheu vor einem Graul, d. h. etwas Unheimliches empfindet, so erklären wir diesen Zustand als einen psychischen Vorgang und führen das Gespenstersehen zurück auf einen phantastischen Traumzustand, auf einen Gemütszustand der Furcht, begünstigt durch Sinnestäuschungen oder auf einen krankhaften Gehirnzustand und bezeichnen das Gesehene und Gehörte als Vision oder Halluzination. Immerhin bleibt Tatsache, daß diese Sinnestäuschungen bei Gesunden und Geisteskranken, besonders religiösen Schwärmern, ihren ersten Nährboden in der Weltanschauung dieser Personen, namentlich nach religiöser Seite hin, hatten.

Zu II, 1. Aus Bekmann( Histor. Beschr. der Chur- und Mark Brandenburg, Berlin 1751, Bd. I S. 366) wissen wir, daß die labyrinthischen Steinsetzungen ( Schneckenberge, Schneckenwege) in der Mark seit alten Zeiten Wunderberge genannt wurden, auch wenn sie nicht auf einem Berge lagen. Erinnerungen an alte verschwundene Labyrinthe( Irrsteige, Irrgänge) haben sich in der Mark noch anderweitig erhalten: Wunderberg bei Eberswalde, Wunderberg bei Lichterfelde( nw. von Eberswalde), Wunderberg bei Brodowin( nördl. von Eberswalde), Wunderberg oder Jekkentanz bei Arensdorf( w. von Frankfurt), Steinkreise bei Klein- Rietz( südl. von Fürstenwalde). Ob der Kreisberg in der Nähe des Tornowsees bei Buckow den Wunderbergen zuzurechnen ist, bleibt weiterer Nachforschung vorbehalten. Das Sternebecker, Eberswalder und Brodo­winer Steinlabyrinth haben nach der Sage Schäfer angelegt. In England bestand früher unter den Schäfern die Gewohnheit, in dem Rasen eine Figur in der Gestalt eines Labyrinths auszuschneiden. Diese englischen Rasenlabyrinthe heißen Troytown oder Walls of Troie= Mauern oder Burgen von Troja. Im nördlichen Europa führen seit alten Zeiten im Volksmund diese Rasen- und Steinlabyrinthe, die den runden Labyrinthen der altkretischen Münzen ähneln, den Namen Trojaburgen. Die Bezeichnung als Troja kommt in der Form Truia bereits auf einer altetruskischen Labyrinthzeichnung aus dem 5.- 6. Jahrh. v. Chr. vor, hatte sich aber nur im nördlichen Europa im Volksgedächtnis er­halten, obwohl auch das in labyrinthischen Bahnen gerittene Trojaspiel der Römer davon seinen Namen hat. Ebenso wie in England und Skandinavien finden sich eine große Anzahl Trojaburgen an den Küsten von Finnland und Lappland bis zum Weißen Meere, die aber hier Babylone oder Wawylone genannt wurden. Norddeutschland war früher sehr reich an solchen Feldstein­labyrinthen, die in der Provinz Preußen ,, Jerusalems" hießen, und in den fran­zösischen und italienischen Kathedralen waren die Fußböden ehemals mit ähn­lichen Labyrinthen( chemins de Jérusalem) in Mosaikarbeit geschmückt. Nach der Volkssage handelt es sich um die Erlösung einer in der Trojaburg gefangenen Jungfrau durch einen in den Gängen vollführten Tanz, womit die Namen Jung­frudans, Jekkentanz u. a. übereinstimmen, die den Anlagen in Schweden, Finn­land und in Brandenburg ebenfalls beigelegt werden. Die Aufnahme in die Kirchen, das Vorkommen skandinavischer Trojaburgen auf Kirchplätzen und in unmittelbarer Nähe mehrerer alter Kultstätten der Nordvölker( Wisby auf Gotland, Wiesby in Schleswig) beweisen, daß sie religiösen Zwecken gedient haben müssen. Der Sternebecker Irrsteig liegt in der Nähe des ,, Altarberges". An die gewöhnlich Trojaburgen genannten nordischen Labyrinthe knüpft sich

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