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X. Der Wendenkirchhof bei Wilkendorf.
Zwischen Wilkendorf, dem Jungfernbusch und der Kesselpfanne liegt am nördlichen Abhang des Stubbenberges eine grasbewachsene Waldblöße; in der gegenüberliegenden Senke dicht am Wege ein Pfuhl, umstanden von Holunderbüschen. Auf dem Grasplatz finden sich wilde Rosensträucher und zahlreiche Steinhügel bis in den bewaldeten Stubbenberg hinein. An dieser Stelle, der Wendenkirchhof genannt, sollen die alten Wenden ihre Toten begraben haben. In der Dämmerung zeigen sich hier oft Gespenster, und nur ungern wollten die Knechte des alten Barons von Pfuel hier pflügen. Er ließ daher einen großen Teil des Wendenkirchhofes abtragen und die Erde in den gegenüberliegenden Pfuhl schütten. Dabei wurden Gefäßscherben und Urnen gefunden. Eine Urne bewahrte lange Zeit ein Pfuelscher Förster auf, bis sie 1897 ins Märkische Museum kam. Aber unheimlich soll es heute noch am Wendenkirchhof sein. Mdl. aus Wilkendorf.
XI. Das alte Strombett im Blumenthal.
In der Gegend des Dorfes Coethen beginnt eine lange Kette von Seen, die sich in fast gerader Richtung von Nord nach Süd durch den Wald Blumental nach Strausberg zu erstreckt. Jedoch sind die meisten der Seen nicht durch Fließe miteinander verbunden, erst die südwestlich von Strausberg gelegenen stehen mit der Spree in Verbindung. Die Höhe der Ufer dieser Seen ist ziemlich bedeutend, und sie fallen meist zum Spiegel des Wassers ab, die Breite ihrer Täler aber beträgt fast durchweg nur einige hundert Schritt. Diese Seen sollen, wie man allgemein in der Gegend behauptet, vor Zeiten ein fahrbares Wasser oder, wie andere sagen, ein schiffbarer Strom gewesen sein. Vor alters, so meint man auch, sei hier ein Kanal gewesen, durch welchen die Oder mit der Spree verbunden war.
Kuhn, Märk. Sagen, 1843, S. 172.
C. Literarische Nachweise, geschichtliche und volkskundliche Anmerkungen.
Zu I, 2. Paul Anton von Kameke( geb. 1674, gest. 1716) erhielt 1700 Prötzel als Lehen. Um 1795 kam Prötzel in den Besitz der Freiherren von Eckardstein.
Der Kern der Prötzler Sage ist zweifellos sehr alt, doch der Name der umgehenden Person hat gewechselt, ist gleichsam mit der Zeit mitgegangen, die neuen Dorfgeschlechter haben den Sageninhalt auf ihnen bekannte Persönlichkeiten übertragen. Eine Erklärung für den Namen der„ olle Ploat" hat der Volksmund nicht. Sicherlich ist damit ein Vertreter des Geschlechts derer von Platen gemeint, das bereits 1450 als Besitzer von Prötzel genannt wird und bis um 1670 hier gesessen hat.
Zu I, 1-3. Die Zahl der Aufhockersagen ist in der Mark und in ganz Deutschland sehr groß. In der Regel finden sie sich am Wasser und Morast, an Brücken und Furten. Alle diese Sagenstellen geboten wegen ihrer eigenartigen Beschaffenheit langsameres Fahren und Laufen, hatten durch Buschwerk Verstecke, dadurch etwas Unheimliches und waren geeignet zum Ueberfall. Fast jedes Dorf