Heft 
(1927) 36
Seite
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2. Die wilde Jagd in Bährends Eichen und der Ebertod des Försters Bährend.

Nicht weit vom Forsthause Blumenthal liegt zwischen den Piche­bergen ganz versteckt im schattigsten Laubwald der Große Pichesee. Eichen- und Buchenhaine säumen die steilen Berghänge, und dunkle Tannen ziehen sich bis zur höchsten Höhe hinauf. Am Südwestende des Sees setzt sich das schön bewaldete, steilwandige Tal fort. Auf der Tal­sohle zeigen sich einsame Waldwiesen, düstere Wildschwein- Suhlen, kleine Fenne und 2 muldenförmige Sumpflöcher, die die Reste von zwei ausgetrockneten Seen sind, dem Jabben- und Bährendsee( Behrends). Vereinzelt ragen aus dem Tale einzelne Eichen auf; aber oben auf den Bergen nach der Abendseite( Jagen 125) lag früher ein großer Eichen­schlag mit starkem, altem, hohem Holz, der sich bis zur Piche hinzog; er heißt heute noch Bährends Eichen. Hier war immer ,, wat los". Die Gielsdorfer und Wilkendorfer Bauern, die früher ihre Pferde im Blumen­thal weideten, trieben ungern ihr Vieh bis hierher. Es war zu unheim­lich. Hundegekläff und wildes Geschrei war zu hören, und mit furcht­barer Wucht brauste die wilde Jagd durch den Eichenschlag. Ein Giels­dorfer Bauernsohn, der öfter spät abends von seiner Braut aus Biesow durch Bährends Eichen kam, hat den wilden Jäger mit der wilden Jagd hier ganz deutlich gesehen und gehört. Ein Schimmelreiter jagte dicht an ihm vorbei, immer im sausenden Galopp durch die großen Eichen hin­und herreitend. In Blumenthal und Heidekrug erzählen die Leute, den Eichenwald habe vor Zeiten ein Förster Bährends angelegt, der hier oft die zahlreichen Wildschweine jagte. Einmal verfolgte er starken Eber, den er durchaus haben wollte, bis an den kleinen See unten im Tal. Hier wurde Bährends von ihm angefallen und mit den Hauern so stark zugerichtet, daß er an dem See tot liegen blieb. Seitdem heißt der See Bährendssee.

Mündl. aus Gielsdorf und Blumenthal.

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3. Reiter und Hunde ohne Kopf.

In der Nachtzeit sieht man oft einen Reiter ohne Kopf auf einem Schimmel durch die Straßen von Strausberg reiten, dem Hunde nach­folgen, die gleichfalls keine Köpfe haben. Auch im Unterdorf von Prädi­kow will man einen Schimmelreiter gesehen haben. Er sprengte durch das Dorf nach der Blumenthalschen Heide.

Kuhn, Märkische Sagen 1843, S. 120.

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4. Die Geisterkutsche auf dem Biesower Weg.

Ein Arbeiter aus Biesow ging einmal spät abends von Prötzel nach Hause. Da sah er zwischen Vorwerk Hammelstall und Biesow mitten im Wege eine schwarze Kutsche mit wunderbaren Rappen stehen. In der Kutsche stand eine große Gestalt mit langem Bart. Er war erst sehr er­schrocken, ging aber dann langsam immer näher, denn er dachte, er könne vielleicht mitfahren. Sobald er aber dicht herankam, fuhr der Wagen davon, und er mußte, ob er wollte oder nicht, immer nebenher mitlaufen. So ging es alle Wege durch den ganzen Blumenthal. Erst nach Mitternacht war der Wagen mit einem Mal verschwunden, und er stand plötzlich vor der Tür seines Hauses in Biesow. Mündlich aus Prötzel.