Heft 
(1927) 36
Seite
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hunderts von einem Vorfahren unseres verstorbenen Mitgliedes R. George, dem wohlhabenden Kaufmann Benjamin George, der auch die 3x jetzt verschwundene Pepinière erbaute, an Stelle des Katzensteges, eines Wiesenweges, angelegt worden. Diese drei Längsstraßen wurden von der Friedrichstraße, die den erwähnten Graben zwischen den Häusern Nr. 83 und 160 an der Rosmarinstraße auf einer Holzbrücke überquerte, und von der Neustädtischen Kirchstraße gekreuzt. Die letztere ging ur­sprünglich über die Südseite der Linden bis an den Graben. Dazu kamen noch einige Sackgassen und Durchgänge, die mit Ausnahme der heute durch­gelegten Lindengasse jetzt verschwunden sind. Ursprünglich war die bis zur Schadow- Straße reichende Linden- Allee ihren gegenwärtigen

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Namen erhielt sie erst kurz vor 1800 nur auf der nördlichen Seite in geschlossener Bauweise bebaut. An der südlichen lagen bis zum Graben 2x hin vereinzelte Häuser und Gärten. Erst in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts entstanden hier palastartige Häuser, von denen heute freilich nur noch wenige vorhanden sind.

Zu diesen Palästen gehörte auch das große Doppelhaus Nr. 17 u. 18, dessen Baublock sich bis an den Graben erstreckte. Nachdem der Graben 1712 zugeschüttet worden war, wurden die Gelände den Besitzern der an der Südseite der Linden gelegenen Häuser und Baustellen zugewiesen. Dadurch wurde auch das Grundstück 17 und 18 bis zur Behrenstraße erweitert. Als erste Eigentümer werden die Simsonschen Erben genannt, von denen es eine Witwe Marpe übernahm, die es 1714 an den General­major Louis de Montolieu Sieur St. Hippolyte weiter veräußerte. Der General gehörte nicht zu dem engeren Kreise der nach 1685 eingewan­derten Hugenotten, aber er ist trotzdem ein klassischer Zeuge für die leichtfertige Art, in der sich Frankreich seiner besten Söhne entäußerte. In dem ehemaligen deutschen Herzogtum Burgund, das erst unter Lud­wig XIV. an Frankreich fiel, liegen die Flecken Montolieu und St. Hippo­lyte, die der schon seit den Kreuzzügen durch Waffentaten berühmten und reich begüterten Familie den Namen gaben. In vielen Schlachten. haben ihre Glieder ihr Blut zu Ehren Frankreichs vergossen, bis die unter Ludwig XIV. einsetzende, von der Maintenon eifrig geschürte religiöse Verfolgung sie aus Frankreich verdrängte. Mit Ausnahme eines einzigen verließen vier Brüder von Montolieu nach der Aufhebung des Edikts von Nantes ihr Vaterland und suchten in anderen Ländern Kriegsdienste. Claudius starb schon 1691 in Holland, wo einer der Sammelpunkte des reformierten französischen Adels war; Jakob fiel bei der Belagerung von Luxemburg 1684; David ging in sardinische Dienste, und Louis wandte sich nach Oesterreich, verlor bei der Belagerung von Turin 1706 einen Arm und begab sich dann nach Preußen. Friedrich Wilhelm I. nahm gern den bewährten Krieger auf, ernannte ihn 1707 zum Obersten und sieben Jahre später zum Generalmajor. Als solcher erwarb er das Grundstück 17 und 18, das er mit einem prächtigen Palaste bebaute. Der König wird ihn dabei wohl mit Baumaterialien und Geldmitteln unterstützt haben. Wenigstens spricht das am 25. November 1719 dem Hause Nr. 17 ver­