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ren Montolieu. Er kam in den Verdacht, mit Matthieu Vernezobre auf Hohenfinow und Serand an der Flucht des Kronprinzen beteiligt gewesen zu sein. Mindestens hatte er dem letzteren eine größere Summe mit dem eben Genannten durch Kattes Vermittelung 2000 Dukaten geliehen. Er wurde am 2. Oktober 1730 verhaftet, nach einigen Tagen zwar wieder auf freien Fuß gesetzt, mußte sich aber durch einen Eid reinigen und verlor nicht nur jene Summe, sondern mußte auch auf seine Kammerherrenbesoldung verzichten und obendrein noch 1000 Dukaten für den Aufbau des Petriturmes zahlen. Er schien sich jedoch nicht sicher gefühlt zu haben, denn er flüchtete im Mai des nächsten Jahres und erzürnte den Monarchen noch dadurch, daß er den Kammerherrnschlüssel und das Gnadenkreuz mitnahm. In einem Berichte des Braunschweiger Gesandten¹) vom 5. Mai soll der Monarch ,, einem höheren General und Minister p. stark reprochiret haben: daß er dem Betrüger jederzeit das Wort geredet und zu der Zeit zumahln vor ihn intercediret habe, wie er, wegen des Cron- Printzen Affaire, im Augusto verwichenen Jahres arretiret worden, da mit demselben sonst gantz anders würde verfahrn seyn." Als mutwillig und boshaft geflüchteter Bankerotteur wurde sein Bildnis an den Galgen geschlagen. Es muß das besonders hart für den Vater, den alten General, gewesen sein, der nach so wandelnden Lebensereignissen 1731 die Augen schloß. Eine 1698 geborene Tochter heiratete den Generalleutnant von Forcade; sie starb 1765, nachdem sie ihren Gatten mit 22 Kindern beschenkt hatte, von denen sie elf überlebten²). Wie weit eine Frau von Montolieu, die 1751 geboren und 1832 gestorben ist und sich literarisch betätigte, mit dem General verwandt ist, habe ich nicht feststellen können.³3)
Aus dem Montolieuschen Konkurse wurde das Haus am 10. Okt. 1731 von dem Hauptmann Conard de Beauvrey angekauft, von dem es nach einer Notiz im Grundbuche 1746 an den Artillerie- Kapitän Sigismund Christoph Damerow abgetreten wurde. Es mag dahingestellt bleiben, ob der eine oder andre mit den Montolieus vielleicht als Schwiegersohn verwandt war, sicher aber ist einer dieses Namens als Besitzer des schönen Hauses nicht mehr nachzuweisen.
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Ein Teil der bis zur Behrenstraße reichenden Gärten ist anscheinend schon früh in fremde Hände übergegangen, da der alte Montolieu offenbar jede Gelegenheit ergriff, um Mittel für das Lindenhaus zu gewinnen. Die Grundstücke Nr. 55-57 haben bald andere Besitzer, sind jedoch später wieder mit dem Haupthause verbunden worden. Als Eigentümer der Gärten in der Behrenstraße erscheinen zuerst ein gewisser Quintin und ein Hauptmann von Holtzmann, der 1760 als Artillerieoberst den Besitz durch den Pagen- Hofmeister des Markgrafen von Schwedt, Carl Albert von Lochmann, an den Kammergerichts- Advokaten Rudolphi für 10 000 Taler veräußern ließ. Dieser verkaufte ihn in demselben Jahre
1) Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins XLVIII- XLIX, S. 228. 2) Bär XII, S. 48.
3) Franz. Literatur in der Schweiz, S. 25, Sp. 1.