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längst ihr 150jähriges Stiftungsfest begehen konnte, ernannte Blesson zum Ehrenmitgliede. Noch 1861 kurz vor seinem Tode war Blesson Direktor der Preußischen Renten- Versicherungs- Anstalt. Er war ein in allen Kreisen geschätzter Mitbürger, dem Könige ein treuer Soldat und ein strebsamer Gelehrter auf seinem eigentlichen technischen Gebiete. Verheiratet war er mit Katharina Auguste, geb. Schmedding, und später mit der jüngeren Tochter Veronas, die erst 1871 gestorben ist. Von seinen Töchtern aus erster Ehe waren verheiratet Elise mit dem Professor Massini in Florenz, Olga mit dem Reg.- Rat Ulrich in Stettin, Rosalie mit dem Dr. Freiherrn von der Decken in Ratibor und Clara mit dem Oberförster Tilmann in Woltersdorf. 1843 erscheint auch ein Reg.- Assessor Dr. von Mühlmann als Schwiegersohn, der wohl mit einer Tochter zweiter Ehe, Laura Pauline Louise, vermählt war, die 1819 noch minorenn war. Nach dem Ableben Blessons verkaufte die Majorin 1861 die beiden Lindenhäuser an den Rittergutsbesitzer Seelig Böhm in Frankfurt a. O. für 210 000 Taler, also mit einer erheblichen Steigerung, da die Häuser 1820 auf 65 000 Taler geschätzt wurden. Dieser setzte gleich mit größeren Umbauplänen ein, ohne aber immer die Zustimmung der Polizei zu finden. Zunächst reichte er einen Plan ein, die Fassade des Doppelhauses durch Aufsetzen einer 4 Fuß hohen Drempelwand zu verunstalten. Das wurde ihm leider bewilligt. Dadurch ist das schöne Gleichmaß der Fassade um so empfindlicher gestört worden, als auch durch das Durchziehen eines Frieses die ruhige Wirkung der 18 Lisenen aufgehoben wurde. Böhm hatte aber noch andere Pläne, bei denen er die Abweisung seitens der Polizei voraussah. So wollte er die Ausnutzung durch eine Freitreppe steigern. Um sich die Behörde willig zu machen, kam er auf deren alten Wunsch zurück, die hölzernen Säulen wir erfahren dabei, daß sie nicht aus Stein waren an den Toreingängen zu entfernen und die Balkone durch eiserne Konsolen stützen zu lassen. Obwohl darauf hingewiesen wurde, daß das Doppelhaus wahrscheinlich zu denen zählte, die ohne Allerhöchste Erlaubnis nicht in der Fassade verändert werden dürften- es war ja ein Freihaus! wurde das( vom 26. 5. 1862 datierte) Gesuch( schon am 12. Juni) bewilligt und das untere Geschoß zu Läden ausgebaut. Damit hatte die alte, hundertundfünfzig Jahre treu bewahrte historische Fassade ihren vornehmen Zug eingebüßt. Es war nur noch eine Frage der Zeit, daß auch andere Konzessionen an die neue Zeit gemacht werden würden.
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Der Erfolg hatte Böhm kühn gemacht. Er glaubte, infolge der Billigung seiner Vorschläge auch an anderen Stellen durchgreifende Veränderungen vornehmen zu können. So mißbrauchte er das Entgegenkommen der Polizei und brachte eine Freitreppe von 4 Fuß an, obwohl sie nur 22 Zoll vorspringen durfte. Er sollte sie wieder abbrechen, weigerte sich aber unter dem Vorgeben, daß das Haus Nr. 17 höher läge und die Treppe nicht in das Kellergewölbe eingebrochen werden könnte. Doch blieb die Polizei bei ihrer Forderung und verlangte erneut den Abbruch bis Juni 1863. Außerdem wurde gegen Böhm und den Werkmeister