Heft 
(1927) 36
Seite
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Ungarische Nordostbahn und verschiedene rumänische Strecken folgten. Immer kühner strebte der Mut des unternehmenden Mannes in die Höhe. Doch kündete sich sein Fall schon leise an. Er hatte sich bei seinen letz­ten Unternehmungen übernommen. Für die ausgedehnten und gewagten Pläne standen ihm weder die Mittel zur Verfügung, noch konnte er die euro­päische Finanzwelt zur Hergabe solcher bewegen. Er verschaffte sich die Gelder durch das sehr gewagte Mittel, Aktien herauszugeben und mit diesen die Bauunternehmer und Lieferanten zu bezahlen. Waren schon viele recht mißtrauisch geworden durch die ungeheure nervöse Gründungs­tätigkeit Strousbergs, so wurde die Finanzierung durch die im Verkehr befindlichen Aktien gelähmt, noch mehr aber durch die fast fieberhafte Erwerbung immer neuer Unternehmungen, die zwar den Kredit vorüber­gehend hoben, Strousberg indessen immer sicherer dem unvermeidlichen Zusammensturz zutrieben. Der Erwerb der großen Standesherrschaft Zbirow in Böhmen, der Egestorffschen Lokomotivenfabrik in Linden bei Hannover, zahlreicher Hütten und Gruben konnten den Sturz nicht ver­meiden, der 1870 durch die Zahlungsunfähigkeit der rumänischen Bah­nen herbeigeführt und zu einer europäischen Katastrophe wurde. Noch hielt sich der unternehmende Mann einige Jahre auf seiner steilen, aber unterhöhlten Höhe. 1875 brachen indessen seine sämtlichen Unterneh­mungen zusammen. In drei Staaten, in Preußen, Oesterreich und Ruẞ­land, erfolgte der Konkurs; mit ihm wurden viele andere Unternehmungen zu Boden gerissen. In Rußland, wo man noch nicht die Feinheit papierner Finanzoperationen von der plumpen Wirklichkeit des verlorenen Geldes zu unterscheiden wußte, wurde Strousberg 1875 der Prozeß gemacht, er zur Verbannung verurteilt, und erst 1877, kurz vor dem Ausbruch des russisch- türkischen Krieges, konnte er nach Berlin zurückkehren als eine gestürzte Größe, die wohl den Mut zu neuen Wagnissen, nicht aber die Unterstützung der Finanzwelt fand. Nur die Gründung des., Kleinen Journals", das sich bis vor kurzem gehalten hat, gelang ihm; aber auch diesem Unternehmen fehlte die wirtschaftliche Triebkraft. Es zeugt aber von dem ungebrochenen Tatendrang des Finanzmannes, daß er ein Jahr nach seiner Rückkehr eine Denkschrift über den Bau eines Nord- Ostsee­kanals veröffentlichen konnte, die jedoch nur papiernen Wert hat. 1884 starb der ehemalige Eisenbahnkönig in ziemlich dürftigen Verhältnissen.

Wenn man heute auf die rührige Tätigkeit Strousbergs zurück­blickt, dann wird man ihm eine gewisse Großzügigkeit in seinen Plänen nicht absprechen können. Aber es war doch wie heute noch- ein falscher Weg, an Stelle eines wirklichen Vermögens nur fiktive Werte einzustellen zur Ausführung von so gewaltigen Unternehmungen. Schon die ersten Gründungen hätten ihn zur Zurückhaltung und Vorsicht mah­nen sollen. Aber es liegt in der Natur des Großspekulantentums, den Fehlschlag auf der einen Seite durch größere Pläne auf der anderen in den Schatten zu stellen, bis eines Tages der unvermeidliche Zusammen­sturz erfolgt, der viele tausend Existenzen in den Abgrund reißt. Bei Strousberg wurde er freilich durch eine Reihe äußerer Umstände be­