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Der Teerofen bei der Müggel.
Von A. Arndt in Berlin- Friedenau.
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Die Teeröfen und Pechhütten sind heute aus den Kiefernwäldern der Provinz Brandenburg verschwunden. Hie und da bezeichnet noch ein Orts- oder Flurname die Stelle, wo sie einst gestanden( z. B. Albrechts Teerofen bei Wannsee, Damelanger Teerofen bei Lehnin, Gahroer Pechhütte bei Luckau usw.). Da viele Teeröfen spurlos verschwunden sind, kann man nur aus alten Akten und Schriften ersehen, wie umfangreich die Teerschwelerei vor Jahrhunderten in den Kiefernwäldern unserer Heimat betrieben wurde. Im Amte Teupitz gab es vor 200 Jahren sieben Teeröfen( zwei bei Löpten und je einen bei Tornow, in der großen Heide, in der Tornowschen Heide, bei Staakow und den Hammerschen Teerofen). In der Herrschaft Baruth waren fünf Pechhütten( je eine bei Zesch, Friedrichsdorf, Kemlitz und zwei bei Linow)). Im Amte Belzig gab es um 1800 fünfzehn Pechhütten, die auch Kienöl und Teer lieferten). Im Kreise Luckau waren im Jahre 1820 noch 11 Pechhütten vorhanden³).
Die Teeröfen wurden in den Revieren an solche Stellen verlegt, an welchen man teils das Wasser und Holz so nahe wie möglich haben konnte, teils vor der Feuersgefahr in den Forsten sicher war'). Man errichtete die Teeröfen also gern in der Nähe des Wassers.
Der Teerofen bei der Müggel gehörte dem preußischen Staate. Von Trinitatis 1708 bis dahin 1711 hatte Joachim Grasnick den Ofen gepachtet. Die Pachtzeit von drei Jahren ist ausnahmsweise kurz, gewöhnlich wurden die Teeröfen auf 6 Jahre verpachtet. Der Pächter verpflichtete sich, jährlich drei Brände zu leisten, nicht mehr und nicht weniger. Er durfte nur Stubben nehmen, und es wurde ihm für jeden Brand ein Schwammbaum gegen Bezahlung verabfolgt. Joachim Grasnick gelobte, den erzeugten Teer nicht außer Landes zu verfahren. Er sollte die Tonne Teer, die 100 Quart halten mußte, für 2 Taler 12 Groschen und einen Brand Kohle gleichfalls nicht höher als für 2 Taler 12 Groschen verkaufen. Ein leichter Stein Pech sollte für 6 Groschen verkauft werden.
Der Teerschweler rodete die Kiefernstubben aus und brachte das kienige Holz in den Teerofen. Dieser wurde aus Mauersteinen hergestellt. Erstlich muß der Pechofen an sich selbst von unten auf ganz zirkelrund, etwa den dritten Teil von unten in einer Weite, hernach allgemach immer enger und bis oben zu ganz spitzig gewölbt sein, damit die Hitze zusammenkomme. Unten im Ofen ist der Boden wie ein flacher 1) J. G. Leonhardi, Erdbeschreibung der sächsischen Lande. 1. Band. Leipzig 1802. S. 104. 2) C. Engelhardt, Merckels Erdbeschreibung von Kursachsen. 7. Band. 1806. S. 47. 3) Geographisch- statistische Uebersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. Berlin 1820.
*) Gleditsch, Systematische Einleitung in die neuere Forstwirtschaft. 2. Band. Berlin 1775. S. 473.