Heft 
(1927) 36
Seite
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Die Dünen sind noch aus einem anderen Grunde einer eingehen­den Bearbeitung wert. Außer dem durchaus einheitlichen mesolithischen Material finden sich nur auf Düne III ein paar Scherben. Darunter trägt einer die spätwendischen Gurtfurchen. Aber auch diese Scherben sind so geringfügig, daß von einer 2. Besiedlung in der Wendenzeit kaum die Rede sein kann. Jedenfalls feh'en Spuren von wendischen Häusern bis­her völlig. Auch in der neuesten Zeit ist dort nicht gesiedelt worden. Eine einzige der Dünen, sie heißt heute noch in Flatow der Kontorberg", trug eine Baracke aus der Torfgräberzeit des letzten Jahrhunderts. Auf jeden Fall haben wir hier ein Gelände vor uns, das fast reine meso­lithische Siedlungsspuren trägt.

Das Flatower Fundmaterial besteht beinahe ausschließlich aus Feuersteingeräten. Scherben dieser Zeit habe ich bisher vergeblich ge­sucht. Auch das Knochenmaterial ist spärlich. Die zeitlich entsprechen­den Harpunen z. B. könnten sich nur im Moore selbst erhalten haben. Zahlreicher sind die Spuren von Feuer. Holzkohle findet sich in win­zigen Stücken auch in seither ungestörtem Boden, und manches Feuer­steinstück ist von der Hitze des Herdfeuers weißgebrannt und zeigt die bezeichnenden kleinen Risse.( Abb. 49 und 79.) Der größte Teil der Funde ist mehr oder weniger braun gefärbt. Es ist das die Färbung, die gerade den Moorfunden eigen ist. Für Flatow wird dies recht gut erläutert durch den Umstand, daß auf Düne II, die vom Luch ganz über­wachsen war, nur solche braunen Stücke, auf Düne III, deren höchste Stellen immer freigeblieben waren, auch weißliche oder graue Exem­plare gefunden wurden. Der Mittelsteinzeitler hat sein Rohmaterial offenbar vom Ländchen Bellin geholt, wo in heute freien Kiesgruben massenhaft große Feuersteinknollen noch gesammelt werden können. Eine Bearbeitung hat aber wahrscheinlich nur auf dem Wohnplatze selber stattgefunden. Nirgends habe ich ähnliche Stücke am Luchrande ent­deckt. In gleicher Weise hat der Vorzeitmensch beide bei uns vorkom­menden Feuersteinarten benutzt: den harten Senon- Feuerstein der Rügen­schen Kreide und den jüngeren dänischen Feuerstein, der stumpfer und versteinerungsreicher ist. Man kann bei keiner Werkzeugtype feststel.en, daß eine Art bevorzugt wurde.

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Die größte Mehrzahl der Funde sind reine Sammelfunde, die die Straßenarbeit an die Oberfläche geschafft hatte. Ein guter Teil stammt sogar vom aufgeschütteten Damme, zu dem die Dünen teilweise das Ma­terial lieferten. Wieviel wertvolles Gut mag dort neu vergraben sein? Welch wichtige Schüsse über Wohnweise und Siedlungsart hätte die Wissenschaft ziehen können, wenn ein Kundiger damals an Ort und Stelle gewesen wäre? Nur an einer kleinen Stelle, bei Düne II, habe ich im Verein mit Herrn Dr. Hohmann und den Herren Wilke, Gallaun, Rettschlag und Nowotnick einen Durchstich in Form eines Grabens gewagt, ehe die Düne ganz dem Straßenbau zum Opfer fiel. Hier möchte ich nur den Schichtenaufbau kurz darlegen, alles Weitere dem endgültigen Fundbericht vorbehalten.