Heft 
(1927) 36
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gegraben, brachte auch sofort zahlreiche bronzezeitliche Scherben in meinen Besitz.

Dann aber ließ ich meine Augen über das weite Luch schweifen, wo in der Ferne, 4 Kilometer von der Randchaussee entfernt, ein Kiefern­wäldchen auftauchte, und die Karte mir eine Kette von 5 Dünen zeigte. Das mußten geradezu ideale Wohnplätze sein und vornehmlich so recht nach dem Sinn der Mittelsteinzeitler. Gerade in dem Jahre war eine Chaussee begonnen worden, die hier das Luch nordwärts durchquert, die Dünen als sichere Stützpunkte benutzt und bei Wustrau im Kreise Ruppin endigt. Dabei waren die Dünen stark angeschnitten worden und ließen so einen Blick in ihr Inneres zu, was sonst natürlich große Schwierig­keiten bietet. Bald stand ich bei dem Kiefernwäldchen, dem ich in der Folge die Bezeichnung Flatow, Düne I gab und begann zu suchen. Dieser Platz ist sehr wenig freigelegt, und außer einigen Knochen und Schnecken­häusern bot er auch nichts. Wenige 100 Meter weiter aber liegt Düne II, von der heute nur ein ganz geringer Rest über die Moorlandschaft her­ausragt; der Straßenbau hat viel Boden gekostet. Hier nun sammelte ich in wenigen Minuten an 100 Feuersteinsplitter, darunter auch die er­hofften Mikrolithen, dann Kernsteine und Messerchen. An der Arte­faktnatur selbst der unansehnlichsten Stücke konnte ich damals schon nicht zweifeln, war doch der Charakter der Düne unverkennbar, und jedes Steinchen, das 1 Millimeter an Größe übertraf, mußte von Menschen hierher gebracht sein.

Aber noch eine 3. Düne hatte der Straßenbau angeschnitten, die größte der ganzen Gegend. Sie ragt bis 2 Meter über dem Wiesen­grunde hervor. Sie liegt schon auf Linumer Feldmark, aber unmittelbar auf der Grenze, und darum gab ich ihr den Namen Flatow, Düne III. Hier lagen die Feuersteine sogar tausend weise herum. Der ganze Ort machte den Eindruck, als sei der Steinzeitmensch eben erst von seiner Arbeit aufgestanden und hätte sich nur einen Augenblick entfernt. So dicht lagen die Kernsteine, die abgeschlagenen Splitter, die halbfertigen und die guten Stücke beieinander. Ich bin seitdem 6 mal draußen im Luch gewesen, allein, mit Kindern meiner Schule, mit Bekannten, und jedes­mal haben wir Dutzende von guten Stücken heimgebracht. Im Ganzen mag der Fundbestand, den ich von diesen Dünen II und III heute in meiner Sammlung zähle, etwa 2000 betragen, davon 110 gute Stücke von Düne II und 272 von Düne III.

Auch einen Teil der andern Dünen südlich und nördlich des Rhins habe ich besucht, und fast ohne Ausnahme lieferten sie Feuersteine und teilweise auch gute Stücke. So will ich nur die letzte an der Straße gele­gene, kurz vor Wustrau, nennen, die die schöne dicke Spitze( Abb. 83) ent­hie t. Die Bearbeitung der Funde kann noch Jahre hindurch eine angenehme Nebenbeschäftigung geben. Für heute will ich nur, da kürzlich, gelegent­lich der Kölner Tagung der Gesellschaft für An.hropologie, Ethnologie und Urgeschichte, die Flatower Funde in die Oeffentlichkeit gebracht wurden, einen kurzen Vorbericht geben.