Heft 
(1927) 36
Seite
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Auf Tafel V endlich habe ich eine kleine Auslese der zahlreichen Kratzer und Schaber zusammengesteltt, die sich ja auf jedem mit­telsteinzeitlichen Wohnplatze in großer Zahl anfinden. Die Nr. 85-89 und 94 bringen Klingenkratzer, zum Teil mit sehr hübschen Schäf­tungseinrichtungen. Man sieht namentlich bei 87 das Bestreben, eine zun­genförmige Arbeitskante zu schaffen, die den Namen ,, Rillenkratzer" rechtfertigen würde. Abb. 91 zeigt den einzigen Doppelkratzer von Fatow, während diese Art auf anderen Fundplätzen reicher vorkommt. Wie ja überhaupt jede Siedlung ein ganz eigenes Gepräge in Zahl und Vorkommen der einzelnen Typen aufweist. 92 und 93 sind winzige Stücke, in denen man so eine Art Doppelkratzer sehen könnte.

Typische Rundschaber( Abb. 95 und 96)( Azilien- Formen, nur etwas größer), sind in Flatow selten, ich besitze außer diesen hier nur noch 3 Stücke. Sämtliche Retouchen gehen steil fast um die ganze Pe­ripherie herum. Aus der Reihe fällt das Exemplar 97 ganz heraus. Ich möchte es, ebenso wie Nr. 90, Universalschaber nennen, da mit ihnen jede Art der Schabe- und Kratztätigkeit auszuführen war, bei Nr. 90 auch Hohlschabung. Die letzten Nummern schließlich zeigen Hoch­kratzer, von denen Düne III allein weit über 100 geliefert hat. Aus einem Nukleus gefertigt, haben sie nicht immer die schöne konische Form des Kielkratzers Nr. 98. Sie eignen sich vortrefflich zur Hobeltätigkeit. Auf das Stück 101 möchte ich noch besonders hinweisen, weil es zwei Arbeitskanten aufweist, ähnliche kommen hier öfter vor.

Um das gesamte schöne Fundmaterial von Flatow vorzulegen, müßte ich den Tafelbestand mindestens verdoppeln. Für diesmal bringe ich nur eine kleine Auswahl. Sie mag genügen, um jedem zu zeigen, was systematische Sammlung und einiges Finderglück zusammenzubringen vermag. Seither ist mir das Luch ans Herz gewachsen, und ich denke mit Freude, wie alle anderen, die mit mir dort draußen waren, an die schönen Sonn- und Ferientage zurück, die ich dort, weitab vom Men­schenlärm, zubrachte. Besonders in Erinnerung bleiben werden aber allen die herrlichen Pfingsttage 1926, als ringsumher die Brachvögel tril­lerten, die Kiebitze taumelten und, nur wenige hundert Meter entfernt von uns, ein halbes Dutzend Birkhähne balzten, ohne sich um uns auch nur im geringsten zu kümmern.