Heft 
(1927) 36
Seite
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Dorf Falkenhagen.

Von Chr. Voigt.

Eine Meile westlich von Spandau liegen die Schwesterdörfer Seege­feld und' Falkenhagen in uralter Gemeinschaft, seit dem 1. April 1927 zu der Gemeinde Falkensee verschmolzen. Damit sind zwei gute alte Dorfnamen beseitigt, und nur der Name Seegefeld hat sich in der Bahn­station und dem Postamt erhalten, bis auch er durch die jetzt in Aus­sicht genommene Umbenennung endgültig verschwindet. Sehen wir uns heute ein wenig in der Geschichte von Dorf Falkenhagen um.

In alter Zeit eignete es zusammen mit Seegefeld dem Benediktiner­Nonnenkloster St. Marien zu Spandau, zu dessen Besitz viele Ländereien zahlreicher, z. T. recht entfernter Dörfer, ferner auch der Falkenhage­ner und der Lietzensee, auch die Jungfernheide am Nonnendamm ge­hörten, Namen, die noch an das Kloster gemahnen. Es waren 19 Land­kirchen in der Umgebung von Spandau, die vom Amtsweinberg ihren Abendmahlswein erhielten; davon en fielen auf Falkenhagen 8 Quart. Es war also heimisches Gewächs, das zur Kommunion diente. Ebenso lieferte das Amt nach alter Klostersitte 4 Scheffel Weizen dem Custodi zu den Oblaten für diese genannten Dörfer. Ein Ueberrest der alten Zugehörigkeit hat sich noch erhalten; denn die Oblaten werden noch heute von St. Nikolai zu Spandau geliefert, nachdem die Weinbelieferung schon früher abgelöst worden ist. Mag solche Verpflichtung auch den Spandauern nicht gerade angenehm sein, so kann man es anderseits den Falkenhagenern nicht verdenken, wenn sie der alten Ueberlieferung treu bleiben und an dem Gerechtsam, freilich nicht geldlichen Vorteils halber festhalten.

Der Name des Dorfes deutet auf deutsche Besied'ung. Ueber seine Besitzzugehörigkeit erhalten wir erste Kunde aus dem Jahre 1336, wo Albert von Gruelhut als Eigentümer genannt wird. Er verschrieb dem Spandauer Kloster für die Aufnahme seiner Tochter den See bei ,, Valken­hagen". Aus späterer Zeit, um 1375, lesen wir noch im Landbuch Kaiser Karls IV. darüber: 1)

,, Sunt LII mansi, quorum plebanus II. Prefectus dictus Fal­kenhagen cum fratribus habet XII mansos, de quibus tenetur ad servi­tium vasallionatus, a Marchione in pheudum, quos pater eorum emit a quodam dicto Stromer. Ad pactum quidam dant frumentum, quidam denarios. IV mansi solvunt I frustum et iterum sic, et sic de aliis, Cossati sunt XXXVI. Solvunt in universo III sexagenas pullorum et III talenta. Taberna I talentum dat Frizen Bardeleven. Illi de Etzin habent super IV mansos pactum ab antiquo a Marchione. Moniales in Spando super X mansos pactum ab antiquo. Illi de Prigarde super XI mansos pactum ab antiquo a Marchione. Illi dant quilibet VI modios siliginis et non plus. Friz Bardeleven super XIV mansos pactum emit a Ber de Schulenburg.

1) Spandauer Chronik des alten D. F Schultze, I, 583, in verbesserter Fassung bei Fidicin. Kaiser Karls IV. Landbuch Berlin 1856, S. 95.