183
zwungen worden, unter dem Russischen Husaren Regiment von Frauendorff Dienste zu nehmen, welche er auch, um der vielen gräulichen Schlägen, nach Art der Russen, wovon ihr Vater gestorben, zu entgehen, nebst andern seiner mitgefangenen Kameraden annehmen müssen, dazu in der Hoffnung, daß sie sich endlich allesamt mit der Flucht salviren wollen, woraus aber nichts hätte werden können, weil sie allesamt sehr eingeschrenkt gehalten, und besondere Aufsicht auf alle diejenigen gegeben worden, welche Dienste genommen. Endlich wäre darüber ihr Mann mit einem russischen Husaren in Zänkerey geraten, der ihm mit dem Säbel hart verwundet, an welchen er auch zu Birnstein in Lithauen den 27. Maji a. p. gestorben und daselbst begraben liege. Er wäre ein Sohn gewesen des Frey- und Lehn Schultzen Johann Friedrich Wilhelm Otto in Falkenhagen unter dem Amte Sparidau, wohin sie sich mit diesem ihrem Kinde zuerst hinbegeben wollte. Einen Todten Schein ihres Mannes halber konnte sie nicht aufweisen, weil ihr der russische Commandeur gedrohet, sie nach Rußland zu schicken, und so hätte sie ihr Vorhaben, wieder nach Hause zu reisen, sich nicht dürfen merken lassen, sondern sich heimlich davon machen müssen, wie sie denn ein Jude in eine Fuhre Schaffelle eingepacket aus Lithauen hinaus geführet, welches ihm einige ihres Mannes gewesene Kameraden mit einigen Stück Rubeln bezahlet, und was sie selbst an Geld und Kleidung gehabt, hätte sie auf dem weiten Wege bis hieher zu ihres Lebens Unterhaltung angewand. Zur Bezeugung der Taufe ihres Kindes verlangte sie einen Tauf Schein, welchen ich ihr auch gab."
Es schien nun geboten, diese mir durch den Zufall zugänglich gewordenen Angaben des Kirchenbuches von Zietenfier hinsichtlich der Person jenes Soldaten nachzuprüfen, dem es nicht beschieden gewesen war, das heimatliche Dorf und die Seinen nach überstandenen Kriegsmühen wiederzusehen. Dazu galt es, im Falkenhagener Kirchenbuche in gleicher Richtung Nachsuche zu halten. Sonstige Quellen standen nicht zur Verzu systematischer fügung. Dabei ergab ein flüchtiges Durchsehen Vertiefung fehlte die Gelegenheit, daß im Kirchenbuch ein Lehnschu ze Otte oder Otto mehrfach erwähnt wird. So wird in den Eintragungen von 1724 ein prätor( Schulze) Johann Sebastian Otte aufgeführt; 1742 stirbt dessen Gattin, und 1776 wird als ,, prätor Falkenhagensis Friedrich Wilhelm Otto, Einwohner alhier, weiland Chr. Fr. Otto gewesenen Lehn Schulzen ältesten hinterlassenen) Sohn", aufgeboten.
-
Demnach können hinsichtlich der Zugehörigkeit unseres So'daten zum Dorfe Falkenhagen und zur alteingesessenen Familie Otto Zweifel nicht bestehen, angesichts der Uebereinstimmung beider Kirchenbücher, und damit erhebt sich auch die Glaubwürdigkeit der Aussagen der Witwe Otto über alle Bedenken.