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Der„ Wall".
Von Prof. Rob. Mielke.
Aus Fontanes Wanderungen ist wohl vielen der Fischer von Kaniswall am Seddiner See bekannt. Dem Dichter lag es fern, hinter dieser an sich durchsichtigen Bezeichnung etwas anderes als einen ,, des sumpfigen Untergrundes halber von ihm( Kanis) selber eigens hergerichteten Damm oder Wall" zu erkennen. Wäre er bis zu dem Wall gekommen, dann hätte er gesehen, daß der Fischer Kanis diese Aufschüttung allein wohl kaum gemacht haben konnte, und hätte er damals schon eine Meßtischkarte zur Hand gehabt, dann würde er bei der Häufigkeit des Wortes vielleicht gegen die Richtigkeit der Ueberlieferung einige Zweifel geäußert haben. Auf eine falsche Fährte locken würde der„ ,, Langewall", südlich Fürstenwalde, der schon manchen Heimatforscher zu einer örtlichen Untersuchung über eine rätselhafte Befestigung veranlaßt hat, weil er an dieser Stelle eine längliche Bodenerhebung wahrnehmen kann und sie ungezwungen mit den vielerorts nachweisbaren geschichtlichen Landwehren in Verbindung bringen darf. Es würde ein Zweifel auch kaum angebracht sein, wenn sich nicht gerade in dieser Gegend zahlreiche Ortsund Flurnamen fänden, bei denen ,, Wall" Bestimmungswort ist, ohne aber einen sicheren Schluß auf eine örtliche Wehranlage zu gestatten.
Im Seddiner See liegen der Seddinwall, eine flache Erhebung, und eine kleine, im Norden anscheinend durch flache Dünen begrenzte Halbinsel, der Windwall. Weitere Wälle sind der Latz wall östlich Hartmannsdorf, der Fichtenwall zwischen Spreenhagen und Markgrafpieske, der Kleine Wall, eine Kolonie westlich Hangelsberg, der Wallhorst, östlich vom Kaniswall, der Lause wall zwischen der Kleinen Müggel und Rahnsdorf, der Lindwall im Werlsee bei Fangschleuse, der Kuhwal1 bei Chauseehaus Cöpenick- Müggelsee, der Schloßwall am Klobichsee, südwestlich Münchehofe, der Za charias- und der Bullen wall nördlich desselben Ortes, beides rundliche Erhebungen im Wiesengelände, der Thomas wall bei Rüdersdorf und der See wall im Rummelsburger See. Alle diese Wälle liegen verhältnismäßig dicht beieinander. Zu ihnen kommen die W all- Insel im Tegeler See, das Dorf Wale- oder Vahlehorst mit einem Burgwall im Teltow und das Dorf Niebel bei Treuenbrietzen, das einst Ny- Wal geheißen hat. Mucke in seinen ,, Bausteinen zur Geschichte des Kreises Luckau" erwähnt einen Mordwall bei Presehnchen als Flurnamen.
Das sind brandenburgische Wallnamen. Im Sächsischen liegt eine wüste Feldmark Rade wall) beim Rittergut Kötitz unweit Oschatz. Der Kuwal1 bei Mammelspring( Kr. Templin) soll früher Kubyl geheißen haben.2) Durch die Suche nach dem zerstörten Rethra ist der Bacherswall am Nonnenhof bekannt geworden. In weiterer Ent
1) Neues Archiv f. sächs. Gesch. u. Altertumsk. XXXXII S. 222. 2) Berghaus, Landbuch der Mark Brandenburg I S. 430.
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