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fernung treffen wir das Wort häufig an in der sogenannten Koschneiderei³), einem jetzt leider polnischen Gebiete im westlichen Westpreußen. Hier. liegen Hoppewaai( Hoppewahl), der Littch Waal, ein Hügel in einem Werder, der Wa11, eine erhöhte und bearbeitete Stelle in einer Wiese. Im allgemeinen heißt hier Waal, Wall oder Wadel jede weite, sumpfige Schlamminsel, in der Schiffersprache das feste Land. Dabei ist bezeichnend, daß schon 1409,, dei Wall, daz werdir" im Osterwieker See erwähnt wird, der 1485,, vallum in lacu" und 1653,, ager dictus Ostrow') in stagno" heißt. Ferner der Wallbrauk, ein Bruch mit einer inselartigen Erhebung.
In Mitteldeutschland treten zahlreiche Wale, teils christliche Kultstätten, teils vorgeschichtliche und mittelalterliche Gerichts- oder Dingstätten, in der Goldenen Aue) auf: in Uftrungen 1547 das Wahl, ein Siedelhof, bei Görsbach das Wahl, ein Hügel mit Graben, bei Großwechsungen das Wal, ein Hügel, der 1321 das Walgut und 1597 der Wohlhof heißt, bei Breitungen 1409 das V a 1, 1618 das Wahl- oder Wohlrieth, ferner Wale bei Neustadt und Hchnstein, zwischen Neustadt und Hermannsacker, bei Branderode, dann das Wallsche Land bei Voigtstadt, die Wallhause bei Ritteburg, 1716 die Wohlrauten bei Kleinberndten, der Wahlberg bei Göhrendorf( Kr. Querfurt), die Wahlburg am Wahlteiche unweit Hohenleuben, 1338 die Wahl bei Loburg. Zahlreich sind die Namen auch in Ostfriesland. Schmidt- Petersen( Die Flurnamen Ostfrieslands S. 61, 78, 83, 97, 107, 114, 115, 120, 129, 176) führt an: Auf Morsum( Sylt) den Merrel-( Mittel-) w all und deu Skerwall, auf Föhren Walem- Ort" an einem Wall bezw. Ufer, in Oldsum den Stian wall( Steinwall), in Nebel Wallangstud( Wallendstätte), bi de Waal, Krümmewaal, Bau- Waal, Waalanj ( Wallende), bei Steenodde Sonwaal( Sandwall), auf Helgoland Wolhörn( Wallecke), die Wal, ein Steinwall, der zur Düne führt, de faste Wall( das Festland), in der Böckingharde den Sönjwaal( Sandwall) und den Ortsnamen Walls büll.
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Bei einigen der aufgezählten Wallnamen wird man tatsächlich eine Befestigung annehmen müssen; bei den meisten auch bei den Kultund Dingstätten! hat indessen eine einfache, meist flache und sandige Erhöhung, oft in einem feuchten oder sumpfigen Gebiet, die Veranlassung zur Namengebung gegeben. Unser Wall als Befestigung ist aus dem lat. vallum, vallus Straße, Pfahl, Pfosten, Mauer, entlehnt und hat im Mhd. die Form wai( wall) angenommen. Altsächsisch wal( le), niederländisch wal, angelsächsisch weal, englisch wal, ist es aus dem Niederdeutschen auch in das Mitteldeutsche vorgedrungen. Ueberall ist mit ihm der Begriff des flachen Hügels, besonders in ebenen Geländen, in Wiesen und
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3) Rink, Die Orts- und Flurnamen der Koschneiderei S. 23, 45, 49, 96, 143, 158. 4) Ostrovu= das umflossene Land. Insel, in Ortsnamen häufig: Ostrau, Ostrowo, Wustrau, Wusterwitz u. a. S. Weisker, Slawische Sprachreste I S. 16, 17. 5) Mitteil. d. Ver. f. Gesch. u. Naturwissensch. in Sangershausen 1926 S. 45, wo sie meist als in der Ebene gelegen angegeben sind.