Heft 
(1917) 25
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46 18. (10. außerordentl. Versammlung des XXIV. Vereinsjahres. Kleine Mitteilungen.

18. (10. außerordentliche) Versammlung des XXIV. Vereinsjahres.

Sonnabend, den 25. März 1916.

Es fand eine Besichtigung des Königl. "Verkehrs- und Bau- Museums Invalidenstr. 50/51 (Gebäude des alten Hamburger Bahn­hofs) statt. Diese höchst lehrreichen Sammlungen hat die Br. am 13. Nov. zuletzt 1907 besichtigt, vergl. Mouatsblatt XVI S. 447. Geführt wurden wir heut in freundlichster Weise von dem Direktor Kgl. Ober- und Baurat Klopsch.

Kleine Mitteilungen.

Noch einmal der Bronzemörser von Küstrin. Band 24 S. 154 bemerkte ich zu den Worten der Inschrift:C. F. Jochum Friderich lis mich gisen* wer dieser Friderich war, konnte ich nicht feststellen. Vermutlich der Apotheker der Stadt. Inzwischen wurde ich durch einen Hinweis unseres Mitgliedes, des Herrn Admiralstabssekretärs Christoph Voigt, belehrt, daß ich bei dem Versuch, den ersten Besitzer des schönen Stückes ausfindig zu machen, auf falscher Fährte war. C. F. Jochum Friderich bezeichne keinen Geringeren, als den Kurfürsten Joachim Friedrich, der unser Land von 15981608 beherrschte.

Ich zweifle nicht daran, daß diese Deutung richtig ist. Erklärt sich dadurch doch trefflich die künstlerisch hervorragende Gestaltung des Mörsers, die für die bürgerlichen Verhältnisse jener Zeit in unserer Mark allzu auf­fallend erschiene. Entwurf und Ausführung werden wir wohl einem der bei der Küstriner Geschützgießerei beschäftigten Bildhauer zuschreiben müssen. Nach der literarischen Überlieferung kommt nur ein Meister Konrad in Frage, den Friedrich Nicolai in seinem Verzeichnis der Künstler, die in Brandenburg-Preußen tätig waren, S. 34 unter dem Jahre 1594 nennt und von dem er sagt:war in Küstrin in Diensten bey der Stückgießerey'.

Joachim Friedrich hatte rege Beziehungen zu Küstrin. Er war der Schwiegersohn jenes sagenumwobenen Markgrafen Hans, seines Großoheims, dem nach dem Tode Joachims I. als zweitem Sohn die Neumark zuge­fallen war und unter dessen Herrschaft die Stadt, seine Residenz, ihre höchste Blüte erreichte. Das einst vom Deutschen Orden errichtete Schloß, das Markgraf Johann hatte umbauen lassen, wurde unter Joachim Friedrich um einen Flügel erweitert. Während seiner kurzen Regierung wurden drei Landtage (1600, 1602, 1603) hierher berufen.

Joachim Friedrich muß sich demnach häufig in Küstrin aufgehalten haben, und für seine Hofhaltung wurde der Mörser hergestellt.

O. Pniower.