Kleine Mitteilungen.
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Der Wolborg. Wer auf Wolborch (Walpurgi, 1. Mai) im Garten nicht fertig ist, ihn nicht umgegraben hat, dem stellen andere eine Strohpuppe im Garten auf, die der Wolborch heißt. Der Wolborch, 3 — 4 Fuß hoch, wird ausgestopft und hergestellt von Stroh und Lumpen (alten Kleidern), hat einen Hut oder eine Mütze auf, oder auch einen Helgoländer (weißen Frauenhut). Das tun die Nachbarn, besonders ältere Frauen. Der Wolborch kriegt auch einen Zettel an, worauf steht: „So jihts die Faulen“. Himmel- pfort (Kreis Templin), 1907.
Ebenso wird auch in der Ostpriegnitz, im östlichen Teile eine Strohpuppe denen im Garten aufgestellt, die den Garten bis 1. Mai nicht umgegraben haben. Man sagt; „De VVolburch künnnt". 1908.
Auch in Westfalen (bei Soest auf der Hardt), wenn der Garten eines Gutes am I. Mai noch nicht umgegraben und die Mädchen faul gewesen waren, stellten andere ihnen eine Strohpuppe hin, die die Mädchen dann fortnehmen wollten. Einmal ließ sich ein Kerl in Stroh einwickeln, der Zugriff, als das Mädchen ihn wegnehmen wollte, weil sie dachte, es wäre eine Strohpuppe. —
Die heilige Walpurga mit den drei Ähren als Sinnbild ist an die Stelle einer Frühlingsgüttin getreten; die Kirche mied schroffen Wechsel. Vielleicht steht die Strohpuppe Wolburg mit dem germanischen Altertum in Zusammenhang. Nach märkischem Volksglauben gehen in der Morgenfrühe des 1. Mai die Hexen auf fremde Wiesen und pflücken von jeder eine Hand voll Gras, um den Nutzen zu haben. Das mag oft genug geschehen sein. Anderswo schöpfen sie vor Sonnenaufgang den Tau ab. Wie ich im Schwarzwald (Lenzkircli, 1897) erfuhr, waschen sich in der Nacht auf den 1. Mai die Maidle und Buebe mit dem Tau das Gesicht ab. Sie gehen auf eine Wiese streifen mit der Hand das nasse Gras ab und fahren sich damit übers Gesicht Dann kriegt man keine Sommersprossen, wie beim Osterwasser und Stillenwasser. Der Tau, Gras und Kräuter sind gesegnet, heilbringend zu dieser Zeit des alten Frühlingsfestes, wo die Erscheinung der Gottheit Segen und Fruchtbarkeit dem Ackerbau bringt, wie wir es aus vorgeschichtlicher Zeit von den Gestaden der Ostsee wissen, wo die „Mutter Erde", die Mutter Grün unserer Volkskreise, nämlich die Göttin Nerthus ihren Umzug hielt durch Felder und Auen, wie noch heute eine Kornmutter, bekannter als Roggen muh me, in den Getreidefeldern sich aufhält. In der Mark heißt Walpurgi Wolborjen, wendisch Olpargi, Opargi, Hopargi, Iloperga. Acht Tage nach Hoperga hieß früher alte Iloperga (stara Iloperga), wie sonst alte Mai tag. An diesem Tage war es in Dörfern der preußischen Oberlausitz Sitte, und jedenfalls ehedem auch in der Niederlausitz, daß immer Saubohnen gekocht und gegessen wurden. Sie haben also eine Beziehung zum Walpurgitage gehabt und sind vielleicht einer alten Frühlingsgottheit geweiht gewesen. Bei meinen Ausgrabungen in Müschen (Oberspreewald) h J. 1878 fand ich verkohlte, schwarze Körner, die Erbsen glichen. Nach Bestimmung durch Herrn Geheimrat Wittmack sind es Pferdebohnen, Puffbohnen (Vicia Faba, L.). Auch mit diesem Funde ist erwiesen, wie aus vielen anderer, daß die märkische Landwirtschaft schon im 1. Jahrtausend v. Chr. blühte, daß die damaligen Bauern nicht blos Getreide, sondern auch Puff«