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Kleine Mitteilungen. Biicherschau.
bohnen und Hirse angebaut haben. Vermutlich waren die Bohnen in Müschen dem Toten ins Grab mitgegeben worden als Wegzehrung für die Keise ins Jenseits. Bei den Körnern, die überaus abergläubisch waren, suchte man, wie Carus Sterne (Sommerblumen) vermerkt, die Toten durch Opfer von Bohnen zu versöhnen, damit sie nicht als Gespenster scheuchten, und die Griechen feierten dem Apollo zu Ehren ein Bohnenfest, bei welchem alle Bewohner Bohnen aßen. Apollo stammt, wie die alten Griechen bezeugten, aus dem Norden von Europa; ebenso wie die arischen Völker.
W. v. Schulenburg.
Bücherschau.
„Meister Johann Dietz erzählt sein Leben, was er als preußischer Feldscher in Ungarn wider die Türken, als Schifl'sarzt mit holländischen Walfischfängern am Nordpol, auf Reisen in deutschen Landen als Barbier und Chirurg mit Räubern und Jungfern, Soldaten und Gespenstern, endlich daheim mit zweien Ehefrauen erfahren, und also auf dieser Welt insgesamt hat leiden müssen". — Nach der alten Handschrift in der K.-Bibliothek zu Berlin zum ersten Male in Druck gegeben von Dr. Ernst Consentius.
Eine in jeder Beziehung dankenswerte Herausgabe der aus Friedrich Nicolai’s Nachlaß stammenden Handschrift seitens deB als berlinischen Kulturforschers uns allen wohlbekannten Gelehrten.
Einiges hat in dem bunten Durcheinander der geschilderten z. T. ganz ungeheuerlichen Ereignisse bei denen man mitunter an Simplicius Simplicissiinus zu denken geneigt sein möchte, durch den Herausgeber in Schick und Ordnung gebracht werden müssen, aber ohne daß dem Ganzen damit Zwang angetan wird. An FritzReuter’s Wort: „et is lügenhaft to verteilen, aber woahr is et doch" denken wir, wenn wir z. B. von Dietz’s Aufenthalt auf Spitzbergen und den 200 eselhaften Tieren (S. 143) lesen, die in der Säugetierkunde beim besten Willen nicht unterzubringen sind. Aber darüber sehen wir gern fort. Frisch, frei und fromm geschrieben, ein trefflicher Sittenspiegel vom kleinbürgerlichen Leben in der ersten Hälfte des 18. Jahrhundert. Dietz, der 1738 in Halle gestorben, erzählt u. a. auch Manches über Berlin, Frankfurt a. O. Krossen, Küstrin und andere brandenburgische Städte.
Niemand wird das in vieler Beziehung lehrreiche mit vielen Bildern der Zeit ausgestattete Buch ohne Interesse und ohne Nutzen lesen. (Verlag Wilhelm Langewiesche-Brandt, Ebenheuser bei München. Vorgelegt in den Brandenburgia-Sitzungen im Dezember 1915 und Januar 1916). E. Fr.
Schriftleitung: i. V. Dr. A. Kiekebnsch, Berlin, Märkisches Museum. Die Einsender haben den sachlichen Inhalt ihrer Mitteilungen zu vertreten. « Druck von P. Stankiewicz’ Buchdrnckerei G. m. b. H., Berlin, Bernburgerstr.