Zur Besiedlungsfrage der Provinz Brandenburg im 12. Jahrhundert.
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M it einer Kartenskizze. j .
Von Robert Mielke.
Ir der Provinz Brandenburg unterscheiden sich, wie ich das bereits mein fach ausgeführt habe, das Dielenhaus mit seinem Giebeleingange und seine Abarten von dem fränkisch-oberdeutschen Hause, das den ganzen Südasten cinnimmt, die Niederlausitz überdeckt und im Westen bis etwa an eine Linie Luckenwalde—Berlin heranreicht. Wie weit es diesen Namen verdient, sei zunächst unerörtert und einer späteren Betrachtung Vorbehalten. Jedenfalls ist bei den Westslawen eine Hausform bekannt gewesen und von ihnen nach Deutschland mitgebracht worden, die sich der fränkischen annähert und sich mit ihr verschmolzen hat. Bei dem Dielenhaus hingegen erhebt sich die Frage, ob es im Lande sch'on vor dem W'endeneinbruche vorhanden war, ob es ein unmittelbarer Abkömmling des Altsachsenhauses ist, oder ob es sich als eine ältere vorsächsische, altgermanische Sonderart darstellt. In meinem ersten Aufsatze zur Besiedlungsfrage (XXIII S. 145) glaube ich den Beweis erbracht zu haben, daß für den Kreis Belzig eine solche Frühform anzunehmen sei. In den übrigen Teilen der Provinz gibt es dagegen Bauernhäuser, bei denen der Grubenstall nicht mehr vorhanden ist und auch anscheinend früher nicht vorhanden war, die aber trotzdem mit dem Grubenstallhause in einem engen typologischen Zusammenhänge stehen, Bei der Beantwortung der oben aufgeworfenen Frage, die zugleich Licht über die Herkunft der Kolonisten des 12. Jahrhunderts verbreitet, wird zunächst festgestellt werden müssen, ob diese Häuser noch besondere Eigentümlichkeiten zeigen, die sich auch im Westen als altertümlich ausweisen.
Die Grundrißanlage eines solchen Bauernhauses mit dem Giebeleingange, der im Mittelpunkte gelegenen Küche und dem anschließenden Kuhstalle, bei dem die Tiere in der Firstrichtung des Hauses stehen, gibt bei aller Altertümlichkeit keinen Fingerzeig für die Herkunft, da diese Anordnung mehr oder minder eng mit dem Altsachsenhause zusammenhängt und auch
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