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Robert Mielke.
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in den westlichen und nördlichen, zum Teil auch in den südlichen Grenzgebieten zu finden ist. Dahingegen sind noch altertümliche Benennungen einzelner Teile des Hauses vorhanden, die etwas Licht über die ethnographischen Zusammenhänge verbreiten. Freilich nur in einzelnen Ortschaften. Da sie aber zerstreut in dem Dielenhausgebiet Vorkommen, so darf man für sic einen einst größeren Verbreitungsbezirk voraussetzen. Kennzeichnend für die Herkunft und Altertümlichkeit ist, daß sie in dem Osten und Südosten völlig fehlen *)•
Als Bezeichnung eines heizbaren Raumes, einer — nach Berliner Ausdrucksweise - - guten Stube kommt im Nordwesten Brandenburgs das Wort „Dönse“ vor. In Kietz a. E., einem der bekannten Dörfer der Lenzer Wische, ist sie nur noch älteren Leuten als . .Dönsk“ erinnerlich. Sie findet sich als Dönsk oder Dönse über die Dörfer der Wische hinaus noch in Rühstedc (V.) oberhalb Wittenberges. Die Häufigkeit steht offenbar in Verbindung mit dem hier herrschenden Altsachsenhause; sie vermindert sich mit diesem nach dem Osten zu. Als „Dönsch“ kommt sie in Krangen bei Neuruppin (V.) und Umgebung vor. Am weitesten östlich 2 ) findet sich die Dönsch inLunow bei Oderberg (M.) überall inVerbindung mit dem Dielenhause. Eine neuere Uebertragung kann die Dönse nicht sein, da das 1541 aufgezeichnete Statut des Dorfes Bredow (Osthavelland) bereits sagt: „Niemands soll sein Korn und Heu auf die Dornsen Bohne oder im Hause. niederlegen“ 3 ).
( Verbreitet ist die Dörnse außerhalb der Mark als volkstümlicher Ausdruck für die Ofenstube von der Südersee in Holland durch Niedersachsen bis an die Kieler Bucht, nach Karl Rhamm, der jedoch sich nur auf diese kurze Angabe 4 ) beschränkt, bis nach Dänemark. Nach dem Mönchguter Sprichwort „He sitt in de lütte Doms“ 5 ) = Er sitzt im Altenteil, ist sie auch auf dieser rügenschen, im 13. Jahrhundert wahrscheinlich von der Gegend um Paderborn aus besiedelten Halbinsel altes Herkommen. Haas, der die
*) ßie Ünterlagen für die folgenden Ausführungen Bind teils den Fragebogen der Rudolf Virchow-Stiftung, die sich jetzt in der Bibliothek der Berliner Anthropologischen Gesellschaft befinden, entnommen, teils Ergebnisse mündlicher und schriftlicher Erkundigungen. Die ersteren sind durch ein (V), die anderen durch ein (M) gekennzeichnet. Andere Quellen sind angegeben.
2 ) Dem vereinzelten Vorkommen der „Domse“ oder „Dönsch“ in Berkenwerder bei Landsberg a. W. (V) vermag ich keine Bedeutung beizulegen, da dieses zwar alte, aber unter Friedrich II. mit zahlreichen Kolonisten besetzte Dorf auch in seiner Bauart die Züge der friderizianischen Besiedlung des Warthebruches zeigt.
W'M? 8 ) ^ 1884 S. 239. In der Anwendung des Wortes Bohne für Bühne, d. h.
Boden haben wir zugleich eine weitere Bestätigung des mittelniederdeutschen Einflusses.
4 ) K. Rhamm. Ethnographische Beiträge zur germanisch-slawischen Altertumskunde I. 1. S. 475.
s ) Baier, Stralsundische Geschichten. 8. 28.