Heft 
(1917) 25
Seite
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Zur Besiedlnngsfrage der Provinz Brandenburg im 12. Jahrhundert. 51

Mönchguter Dünse, Düns oder Dons wiederholt erwähnt 6 ), hebt ausdrück­lich hervor, daß dieses Wort in der rügenschen Volkssprache sonst fast un­bekannt ist. Westfalen haben diewarme donzen vermutlich auch nach Livland gebracht, wo sie Hoenekes Livl. Chronik einmal erwähnt 7 ).

Im nördlichen Oldenburg ist dieDüns, im südlichen die döns ein- ; heimisch und reicht nach Süden bis etwa an die Lippe 8 ).

Der einfache Rückschluß, daß zwischen dem brandenburgischen und dem größeren westlichen Dönsengebiet bestimmte Beziehungen bestehen, wird aber durch die doppelte Tatsache vereitelt, daß es in Süddeutsch­land ein anderes, völlig abgetrenntes Gebiet gibt, und daß die Dönse seit Anfang des 15. Jahrhunderts in Rathäusern und fürstlichen Schlössern als Prunk- und Geschäftsraum auftritt. Es wird also zunächst zu untersuchen sein, ob das süddeutsche Gebiet mit der sächsisch-friesischen Dönse etwas zu tun hat, und ob nicht möglicherweise die Dönse aus der Stadt- und Hof­kultur in das Bauernhaus gelangt ist. Dabei wird auch eine dritte Frage Er­ledigung finden müssen, ob nämlich die Dönse slawischen Ursprungs ist, wie es die Ansicht der meisten Philologen ist, die sich bisher mit dem Worte be­schäftigt haben.

Die ersten wissenschaftlichen Erörterungen der Dönse befinden sich, soweit ich sehe, in den Wörterbüchern von Schmeller-FrommannBayrisches Wörterbuch und Schiller-LübbenMittelniederdeutsches Wörterbuch. Hier sind erwähnt: 1717 in Münchenbey der Dirniz, in Salzburg ein Tiir- nitzmaister, 1815 in Lands hu t i. B. Dirnitz, in Ansbach eine Dürnitz- gasse, 1514 die Tyrnizen in München, 1508 beim Leichenmahl des Herzogs Albrecht IV. von Bayern Türnitz, 1503 in Landshut Türnitz, 1326 in Amberg die gewölbte Türnitz, 1490 an derselben Stelle Türnitz, 1498 in Regensburg die große Türniz, ohne Jahresangabe in München ein Dirniz- oder Fraungemach, ohne Angabe in Hohen-Salzburg eine Türnizstube, ohne Angabe in Schloß Burghausen eine Dürnitz, ohne Angabe in Freising eine neue und alte Türnitz: ferner noch aus Schriftstellern, Chro­niken und Wörterbüchern: Thurnitz (Hans Sachs), die Dortze in der Wart­burg (Thür. Chronik), die Dorntze, schwarze Dornitze (Erfurter Chronik) 1429 und 1455 estuarium, durnitz oder padstuben, 1445 und 1468 durnitz, aestuarium, türnitz-padstuben, 1449 Aestuarium, dürniczen, 1617 ein thur- neetz zeit; dwarneiz, Stube (Dornizen, Dörnsse) in Lüneburg, 1582 Dörntze-Stube, Disch- u. Dornsen-Gerede (Geräte) in Nomenclator la-

6 ) A. Haas u. Fr. Woran. Die Halbinsel Mönchgut und ihre Bewohner. Stettin 1909. S. 34 u. 5(1.

^ Schiller-Lübben. Wörterbuch unter dönse.

ö ) Wenn Rhamm a. a. 0. I. 1. S. 100 u. 161, die Gegend von Osnabrück und das westfälische Münsterland ausnimmt, so befindet er sich mit dieser Annahme in einem Irrtum, da ich die ,,l>önse noch in Riemloh, etwa 30 km östlich Osnabrück gefunden habe.

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