Heft 
(1917) 25
Seite
52
Einzelbild herunterladen

52

Robert Mielke.

tino-saxonicum; Dörnse-Stube in Bremen; 1535 dörntze, conclave in der Pommerschen Kirchenordnung. Schiller-Lübben fügen noch hinzu:He buwedc de groten dornitzen unddorntzen (Magdeb. Schöppenchronik) op der dorntzen (Braunschw. Chronik),nige dorntze (Pommersche Chronik des Kantzow); 1576des Kuchemeister dornsen (Mecklenb. Jahrbücher); 1477in der donsen" (Hamb. Chron.);warme dontzen (Hoenckes Livl. Chron.) und im 16. Jahrhundert eine dorntzen in Wis­mar. Als weitere Belege kann ich noch anfügen: 1465 nimmt in Berlin der Kurfürst Friedrich II. den Dr. Maurer zum Leibarzt angeschehen in s. g. grinen gewelbeten dorntze neden bey der capeilen ober der silber cammer (Riedel, Cod. dipl. Br. I 374). Nur wenige Jahre später 1483- 1484haut Contze Steinmetze au,f s. Gedinge Thore in die Tornitze für 40 gr. (Gurlitt, Beschr. Darst. d. älteren Bau- u. Kunstd. d. Kgr. Sachsen, Heft 18 S. 308)'. 1437 heißt es, daßFürst Georg gieng 20. März furcht­los persönlich in die dornze auf dem Rathaus (Peter Beckers Zerbster Chronik, herausgegeben von Kindscher S. 172). In Nordhausen wird 1470 berichtet, daßvon stehin ymme gegettir (Gitter) vor der dorntzen: Wer zeuschen (zwischen) beiden Thoren stehit vor der dorntzen, wan der ratht vmme keynerlei (irgendwelcher) sache spricht (Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens XI. S. 177). Im Kloster Ribnitz wird 1569der jungffern dorntzen gebuwet mit dem Schornstein (Rhamm, a. a. O. I. 1 S. 481). Weiter finden wir in Stralsund 1532up der Dorrentzen (Baier, Stral- sundische Geschichten S. 28), in Halledes rathauses dönntzen (Opel, Denkwürdigkeiten des M. Spittendorf S. 7 u. 9), in Göttingen de dorntzen (Hesselblatt u. Kirstner, Urk. d. St. G. S. 52,53) 9 ). Selbst in Stuttgart wird auf dem Schlosse eineturnitz oder hofstube erwähnt (Zimmer, Chro­nik 3, S. 5 u. 7). * l'

Es sieht aus, als ob das Wort schon recht früh in der Hof- und 1 Kanzleisprache erschien (die erste Erwähnung ist 1326 in Amberg), und als ob von hier aus das Wort und die Sache Eingang in den Dörfern ge­funden habe. Das ist indessen ein Trugschluß, denn während alle die ge­nannten Orte (mit Ausnahme der im altsächsischen Gebiete liegenden) nur vereinzelt sind und keine Dornsen in ihrer bäuerlichen Umgebung haben, finden wir im Nordwesten die Dönse fast in allen alten Bauernhäusern. Hier kann allein der Ursprung gesucht werden.

Da der größte Teil der städtischen und höfischen Dornsen an der alten Slawengrenze liegt, so haben die meisten Etymologen und Hausforscher (Schmeller-Frommann, Schiller-Lübben, Jellinghaus, Kühnei, Meitzen, M. Heyne, K. Rhamm) eine slawische Herkunft der Dornse angenommen. Sic

9 ) Auch in dem benachbarten, durch seinen Altsachsen-Friedhof und Seine stein­zeitlichen Hausanlagen bekannten Dorfe Iiosdorf wird eine Donze erwähnt (Proto­kolle d. Gesch.-Ver. Göttingen 1898/1899 S, 141).