Heft 
(1917) 25
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Robert Mielke.

im Osnabrückschen Düörnse, im Kreise Melle, im südl. Hannover und der Altmark Dönse oder Dönze, in Holstein und Ostfriesland Doms, östlich der Elbe Dönsch und Dönsk, in älteren Formen Dornze (1437), Dointzen (1470), Dorrentzen (1532): so erscheint das Wort einheitlich über ein weites Gebiet verbreitet. Zugleich zeigen Einrichtung und Bezeich­nung. daß sie sich zum größten Teile mit den Gebieten des sächsisch-friesi­schen Stammes decken 14 ), damit aber auch, daß ein alter Zusammenhang der Besiedler des nordwestlichen Brandenburg mit jenen bestehen muß. Da andererseits sich das Wort nicht in Brabant und dem nördlichen Teile des Regierungsbezirks Düsseldorf hat nachweisen lassen, so scheidet dieses Grubcnstallgebiet aus für die Herkunftsfrage.

Was ist nun aber der Sinn der Dönse? Das Altsachsenhaus ist cirt Dörrgebäude, d. h. das über der Diele unter dem Dache lagernde Getreide wird, bevor es gedroschen wird, durch den Rauch des Herdfeuers gedörrt. Daher ist es sachlich gerechtfertigt, wenn Berghaus 15 ) die Bremer Dönse, die Winterstube, durch die alte Ueberlieferung zu erklären sucht, daß sic in den Brauerhäusern jeder Bürger hatte ursprünglich Braugerechtigkeit! über der Darre lag, um Holz zu sparen. Seine Ableitung aus Darrenstede, Dornste, Dörnste, Dörnse, Dornse, Donse wird das Richtige treffen, wenn man sieht, daß diese Formen noch überall erhalten sind. Meitzen 16 ) war auf der richtigen Spur, als er die Stelle des Ilmer Stadtrechts von 1350 Niemand soll Flachs dörren auf Dornczen oder auf Feuer (man ver­gleiche damit das oben angegebene Verbot des Statuts von Bredow) dahin auslcgte, daß ein Bedürfnis nach einem besonderen heizbaren Raume, weniger zum Wärmen als zum Trocknen und Dörren, an den Nordseeküsten früher entstehen mußte als in Mitteldeutschland. Er gab diese Spur aber bald wieder auf, um sich der Schmellerschen Etymologie aus Türniz, wenn auch sehr zurückhaltend, anzuschließen.

Die Dornse befindet sich heute hinter dem Fletraum in unmittelbarer Nachbarschaft des Herdes, an den sie gebunden ist. Unsere brandenburgi- schen Häuser um 1541 müssen diese Verbindung aufgegeben haben, denn das Statut von Brecjow spricht von der Dornsen Bohne oder dem Hause;

14 ) Frau L. Gerbing in ihrer Studie über die Slawengrenze in Thüringen (Thür. Monatsblätter XVI. 1908/9) macht im Ruhlaer Forst auf ein Dornzenbärk und im Georgentaler Forst auf einen Dornitzenweg (lf>. Jahrh.) aufmerksam und bringt ihn ebenso bereitwillig mit der Dornse und den Slawen zusammen, wie Kühnei in seinen slawischen Ortsnamen der Prov. Hannover den Flurnamen Söh- linger Dönntze bei Bellen im Amte Rotenberg. Verdächtig ist bei den ersten, daß sie im Walde liegen und daher auf Dornbusch zurückzuführen sind. Und wenn die Söhlinger Dönntze tatsächlich ein alter Flurnamen ist, dann kam er eigentlich in dem niedersächsischen Dönsen-Gebiet gar nicht überraschen.

'ib 16 ) Berghaus. Der Sprachschatz der Sassen. Brandenburg a. H. 1880.

18 ) A. Meitzen. Siedelung und Agrarwesen der Westgermanen und Ostgermanen etc. Berlin 1895 Bd. 3 S. 299 Anm. 2.