Heft 
(1917) 25
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Zur Besiedlutigsfrage der Provinz Brandenburg: im 12. Jahrhundert.

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cs unterscheidet also deutlich zwischen beiden. Eine solche Loslösung, auch wenn sie sachlich sich nur auf eine Obst- oder Flachsdarre beziehen sollte, kann nur in eine frühe Zeit fallen, in der sich die Dönse noch nicht als ein wichtiger Bestandteil des Hauses herausgebildet hatte. Wir haben hier also einen neuen Hinweis dafür, daß das Altsachsenhaus nicht in seiner gegen­wärtigen Gebundenheit, sondern in einem Frühzustande zu uns gekommen ist, der eine solche Nebenentwicklung erlaubte 17 ).

Für die Siedlungsgeschichte Brandenburgs ergibt sich aus den angeführten Tatsachen, daß die Bevölkerung des Nordwestens nicht aus der Heimat 1 des Grubenstalls gekommen sein kann, sondern aus einem entweder mehr öst­lich oder nördlich gelegenen Gebiete, in dem die Dörnse eine alte Eigenart des Hauses ist. Bestätigt wird diese Annahme durch die Verbreitung der" 5 Butze in der Mark.

Die Schlafstätten lagen in den märkischen Bauernhäusern an der Hinter- scitc der großen Stube, waren aber durch den weit in die Stube ragenden Ofen (der von außen befeuert wurde) und eine Trennungswand von jener geschieden und (oft zu einer besonderen Kammer entwickelt. Dieser Schlaf­raum heißt in Brandenburg und seinen Grenzgebieten allgemein Alkoven, im wendischen Sprachgebiet jedoch teilweise mit Anlehnung an das deutsche Kammer kamen (M.). Das Wort fehlt im Altdeutschen wie im Mitteldeut­schen 18 ) und bestätigt dadurch die Vermutung Grimms, daß es erst im' 18. Jahrhundert Verbreitung gefunden habe 19 ).

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17 ) In dem großen Werke von v. Kerckerinck zur Borg, Die Geschichte des west­falischen Bauernstandes, ist S. 790 von dem Ingedönste, dem Inneuraum des Bauernhauses die Rede. Das muß auf einem Hörirrtum beruhen, denn das Wort kann nicht auf die Dönse, sondern auf ein altes, in Hamburg für Fruchteinlage bei gebratenen Gänsen noch erhaltenes Ingedöm zurückgehen, das als ingedöne, inge taene, ingetüeme (Diefenbachs glossarium latino-germanicum; Lexer, Mittelhoch­deutsches Wörterbuch), Ingedömte, Üngedömt (Bremisches Wörterbuch), in Bayern Ingetum, in Pommern Ingedömte, in Vorpommern Ingedäum (Frischbier, Preuß. Wörterbuch) lautet und Eingeweide, im weiteren Sinne Aussteuer der Braut, Haus­rat bedeutet.

1B ) Schade, Altdeutsches Wörterbuch, Halle 1872-82 kennt es ebensowenig wie Lexer, Mittelhochdeutsches Wb. u. a.

10 ) Grimm, Deutsches Wörterbuch, leitet es aus dem arabischen algobe-Zelt ab. Seine Belege; alcoba (spanisch), aucube alcuba (franz.), alcove (engl.), alcova (ital.), alcov (schwed), alcove (dänisch) lassen sich indessen auch mit dem altnordischen kofi, klefi, kleve, mit dem mittelhochdeutschen kobe, dem mittelniederdeutschen kove (Heyne, Deutsches Wohnungswesen S. SO. 39. 91. 179) und dem Worte al- Winkel erklären. Unser Schweinekoben deutet auch darauf hin (Vergl. Lexer a. a. O. u. Falk u. Torp, Norwegisch-dänisches etymologisches Wörterbuch). Noch mehr spricht für diese Herleitung, daß die Angelsachsen für das abgeteilte Schlafgemach das Wort cöfa oder elyfa mitgebracht und mit bedeöfa, bedelyfa, cleöfa weiterge­bildet haben (Wright, Hist, of Englands culture S. 59.100). Die nordischen Forscher: Mandelgren, Atlas tili Sveriges oldlingshistoria S. 11; Gudmundssen, Privatboligen paa Irland i sagatiden S- 191. 203; Hazelius, Afbildningar af föremäli Nordiska