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ßobert Mielke.
Wenn auch die Bezeichnung Alkoven nicht sehr alt sein sollte, so ist die Sache selbst doch in die Zeit der Kolonisationsbewegung zurückzuführen, sonst würde sie sich nicht so allgemein über das märkische Siedlungsgebiet verbreitet und nicht in kurzer Zeit einen so bestimmten Ausdruck angenommen haben. Das Wort hängt so fest, daß es in Mörz (V.) und in Neu- Schadow bei Lübbenau (V.) einfach auf das Bettgestellt jüngerer Häuser übertragen ist.
Aus dieser Alkoven-Provinz hebt sich, völlig von ihm umgeben, ein Butzen-Gebiet heraus, in dem für die Schlafecke das Wort Butze gebräuchlich' ist. Während aber der Alkoven sowohl sprachlich als auch geschichtlich stets einen Hf-usraum bezeichnet, in dem die Schlafstätte aufgeschlagen war, ist die Butze das wandfeste Schrankbett, das in die Wand eingebaut und ursprünglich mit Schiebetüren (Schotts), später mit Vorhängen verschlossen wurde. Man benutzt einen kleinen Tritt oder eine Bank, um hineinzukommen. Nur dem altsächsischen und dem ihm nahestehenden friesischen Hause ist die Butze eigen. In Norwegen findet sich eine ähnliche Einrichtung unter dem Namen skabseng; hansischer Einfluß hat aber auch hier stellenweise dic- Butze eingeführt. Den Besuchern des jetzt abgebrochenen deutschen Hauses auf Tydskebryggen in Bergen dürften diese Butzen noch in Erinnerung sein.
Die echte Butze ist verbreitet in Holland, Nordwestdeutschland und Jütland; sie trägt den Namen Butze aber nur in dem engeren Gebiete zwischen Weser und Elbe und von der Nordsee bis nach Göttingen und in das nördliche Braunschweig, nach Westen noch das Lipper Land, die Grafschaft Hoya und Diepholz, das nördliche Oldenburg, Ostfriesland und im westlichen Hannover, die Gegend um Bentheim einschließend, hier aber jetzt auf das städtische Haus beschränkt. Dazu treten noch einige Gebiete, in denen das Wort nicht die Bettstatt, sondern einen abgeschlagenen, dunklen Winkel im Hause oder alte baufällige Hütten bezeichnet, was sie aber doch als ursprüngliches Butzen-Gebiet ausweist. So in Bremen 20 ), einzelnen Teilen Braunschweigs 21 )> im Lüneburgischen 22 ) und in der Altmark 03 ). Im allgemeinen deckt sich das Butzen-Gebiet mit dem des Altsachsenhauses, folgt ihm aber nicht bis nach Westfalen und in das Wesergebirge. Hier tritt 1 für die gleiche Sache die Bezeichnung Durk auf, die heute das nördliche Westfalen und die westlichen Kreise von Hannover umfaßt, nach Norden eine Linie Münster, Berßenbrück, Quakenbrück, Wildeshausen, Vilsen,
Museet Heft 3 , halten kofi und die Sache für alt. Gudmundssen spricht sogar von kofi als einem Einbau eines geringen, d. h. altertümlichen Hauses (a. a. 0. S. 19). Nach Khamm (a. a. O. S. 92) führen in Wülfingshausen bei Eldagsen die eingebauten Bettschränke noch jetzt den Namen Koje, Koben und Kaben.
-’°j 1 Bremisches Wörterbuch unter Butze.
21 ) 2 K. Andree. Braunschweiger Volkskunde. 2. Aull. S. 191
22 ) 3 Berghaus. Hie Sprache der Sassen.
23 ) * Danneil. Wörterbuch der altmärkischen Mundart.