Zur Besiedlungsfrage der Provinz Brandenburg im 1:4. Jahrhundert. ^ 57
Münster erreicht, aber weder die Ems noch die Nordsee berührt, dagegen die Butzen-Enklave Diepholz und Hoya umschließt. In Hessen ist nach den Wörterbüchern von Crecelius und Vilmar weder Alkoven, noch Butze' und Durk bekannt. Nach Westen, Norden und Osten ist die Butz-Regiori von dem Alkoven-Gebiet völlig umschlossen. Sie fällt aber (abgesehen von Thüringen) mit dem Dönsen-Gebiet zusammen.
Auch in Brandenburg gibt es ein Butzen-Gebiet, das von der Alkove umgeben und durchsetzt ist. Es umfaßt die"beiden"Prignitz (Kietz a. E. (V.), j Seedorf (M.), den Kreis Ruppin (Krangen, Rehfeld (V.)), das westliche Havelland (Marzahne, Briest, Hohenferchesar, Witzke 24 ) (V.), die westliche Uckcrtmark (Ferdinandshof bei Fürstenwerder (M.), Trebenow (V.), Templin (M.) und ist durch Ragösen (V.) und Jänickendorf (V.) noch im Fläming vertreten. Es deckt sich also mit dem märkischen Dönscn-Ge- bict und dringt teilweise in 'das Grubenstall-Gebiet, vermeidet aber den Teltow, die Niederlausitz und die Neumark, in der das Dielcnhaus einst herrschend, aber wohl vom Norden eingedrungen war. Auch im Süden scheint die Butze in den eigentlichen Grubenstall-Dörfern nicht bekannt zu sein. Sollte sie sich noch feststellen lassen, dann hätte das nichts Auffälliges an sich, da, wie ich in einem späteren Aufsatze nachweisen werde, zwischen dieser alt-* fränkischen Bevölkerung noch andere Kolonisten angesetzt worden sind. Das Hauptgebiet der Butze reicht vom Nordwesten bis in die Mitte der Uckermark und wird südlich von der Havel begrenzt.
Während jedoch in der westlichen Heimat der Butze der Ausdruck meistens die eigentliche Bettstätte bezeichnet, ist er in Brandenburg (wie in Bremen und Braunschweig) oft auf einen dunklen, häufig unter einer Treppe gele genen Ve rschlag (Templin, M.) zurückgewichen. Es zeigt sich hier die vielfach gemachte Beobachtung, daß eine einst angesehene Kulturbezeichnung auf einen untergeordneten Zweck zurücksinkt. Für ihr Alter aber spricht es, daß in Rehfeld bei Kyritz die Butze als Bettlager nur noch in alten, vielfach nicht mehr als Wohnhäuser benutzten Gebäude vorhanden ist. (M.). Dazu stimmt es, daß in Ferdinandshof die Butze heute ein auf Pfosten stehender Kasten ist, der im Kuh- und Pferdestall steht und dem Gesinde zum Schlafen dient 25 ).
Sehen wir, daß die märkische Butze durch ihre Abwanderung zu niedriger stehenden Einrichtungen ihr hohes Alter bekundet, so wird das
auch durch andere Verwendung des Wortes bezeugt. Es entstammt dem
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24 ) In Witzke ist nur noch die Bezeichnung Bettloch bekannt, was an das in gleicher Weise gebildete holländische Kuusbett und an die angelsächsische bedeöla erinnert.
25 ) „Go mol up en Butzen“ (mündlich). Das Gleiche berichtet Andree in seiner Braunschweiger Volkskunde S. 11(3. Auch aus dem Zipser Oberland, dessen alte Bauart bereits für das Grubenstall-Gebiet beachtet wurde, erzählt Fuchs (Hannoverland 1!K)!)S. 1(5), daß gezimmerte, horizental gedeckte und mit einer Tür verschließbare Butren-Kästen in der langen Haushalle stehen.