Heft 
(1917) 25
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Zur Besiedluugsfrage der Provinz Brandenburg im 12. Jahrhundert.

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auf das Gesindebett in der Diele, allenfalls unter eine Treppe im riet über­gegangen, wenn die Butze nicht wie der Alkoven als Bettwinkcl in der Stube liegt, befindet sie sich doch niemals am Ende des Hauses. Sie muß daher zu einer Zeit nach Brandenburg gekommen sein, in der das alt- sächsische Haus noch nicht seine heutige innere Einrichtung gehabt hat. Es stellt also einen altertümlicheren vorsächsischen Typus dar 31 ).

Nun haben wir gesehen, daß das nordwestdeutsche Dönsen- und Butzen- Gebiet bis an die Südersee, also bis in das friesische Volkstum hineinreicht, Und auch hier ist die Entwicklung des Bauernhauses nicht nur stehen ge­blieben, sondern hat in dem friesischen Haus eine besondere Ausbildung erfahren. Diese Sonderentwicklung hat das märkische Haus nicht mit- gcmacht, sondern einen eigenen Typus herausgebildct, bei dem der Kuh­stall ganz unsächsisch an das Ende gekommen ist. Auch das spricht für eine ältere Form, die aus dem alten westlichen Dönsen- und Butz-Gebiet zu uns gekommen ist, die also keineswegs auf einer älteren, einheimischen Wurzel steht.

Weiter müssen wir annehmen, daß die Kolonisten aus dem Dönscn- und Butz-Gebiet des Westens stammen, das freilich zunächst noch sehr groß erscheint. Doch scheiden Holstein und der östliche Teil (Hannover und die Altmark) aus, weil sich sonst in dem nun zusammenhängenden Gebiet von Göttinger bis an die Oder wohl kaum das Dielenhaus entwickelt hätte, sondern die Hausform (wie in der Lenzer Wische) einheitlich als Sachsen- haus entstanden wäre. Da auch das nördliche Westfalen und die daran, stoßenden Teile Oldenburgs und Hannovers als Durk-Gebict nicht in Frage kommen können, so bleibt allein das Land übrig, daß sich westlich der Linie Osnsbrück-Jahdebusen bis an den Südersee erstreckt. Dahin leitet auch eine Spur, auf die zuerst K.Rhamm 32 ) hingewiesen hat, nämlich die Verbreitung des Ausdrucks Taß für das Getreidelager neben der Dreschdiele. Zwar ist das Wort nach Ausweis des Fragebogens (V.) mit Ausnahme der Kreise Cottbus. Lübben, Calau und Spremberg gleichmäßig über die ganze Provinz verteilt, läßt sich auch nach meinen eigenen Beobachtungen bis «ach West­preußen verfolgen (fehlt aber schon im südlichen Hannover, Hessen, West­falen und in Holstein), aber sein holländischer Ursprung bleibt unantastbar. Da das Wort andererseits in den friesischen Küstengebieten fehlt, so wird das angenommene Ursprungsland des größten Teiles der Kolonisten im nord­westlicher Brandenburg um diese Küstengegenden verringert. Das ist ein Er­gebnis, das mit der Ueberlieferung sich vereinigen läßt, das freilich von der Dialektforschung noch im einzelnen zu prüfen und jedenfalls auch örtlich bestimmter festzustellen ist.

31 ) Die Häuser in der Lenzer Wische mit ihrer strengen altsächsischen Einrichtung können diese Folgerung nicht erschüttern, da sie nur durch die Elbe von dem hannoverschen Kerngebiet des Sachsenhauses geschieden sind.

3S ) K. Rhamm a. a. 0. I. 1. S. 252.