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19. (9. ordentliche) Versammlung des XXIV. Vereinsjahres.
bezw. ornithologischen Strömungen jener Zeit ging der Vortragende auf die Anschauungen ein, welche Frisch in dem vorerwähnten Werke, zu welchem sein Sohn Ferdinand Helfreich Frisch die Tafeln zeichnete, in Kupfer stach und „illuminierte“, niedergelegt hat. Den Abschluß des genannten Werkes erlebten weder Johann Leonhard Frisch noch sein Sohn. Beide starben vor Vollendung des Buches, welches von Jodocus und Joh. Christoph Frisch, Sohn und Enkel, vollendet wurde. Der Darstellungsweise jener Zeit entsprechend finden sich in dem Frisch’schen Werke keine Angaben über geographische Verbreitung und lokales Vorkommen der behandelten Arten. Frisch nannte sein Werk: Vorstellung der Vögel in Teutschland; der Vortragende suchte den Nachweis zu führen, daß das Buch fast ausschließlich' märkische Vögel, d. h. in der Mark beobachtete, behandelt. Wie aus einer Mitteilung von Frisch hervorgeht, begann er hier in Berlin, ungefähr um 1716, mit der Anlage jener Sammlung, die das Material für sein Werk enthielt. Wir wissen ferner, daß er viel in der Mark herumwanderte und das Freileben der Vögel beobachtete. Schließlich darf darauf hingewiesen werden, daß ihm bei den damaligen schwierigen Verkehrsverhältnissen aus dem übrigen Deutschland kaum nennenswertes Material für seine Arbeiten zugegangen sein dürfte. Es erscheint daher die Annahme berechtigt, daß sich die Mitteilungen von Frisch fast ausschließlich auf märkische Vögel beziehen. Diese Ansicht wird auch dadurch gestützt, daß Frisch bei selteneren und auffallenderen Vogelformen märkische Fundorte aufführt. Herr Schalow geht auf die Bedeutung " des Frisch’schen Werkes in Bezug auf die von dem Genannten geschaffene Systematik, auf die Nomenklatur, auf die Anwendung deutscher Namen wie auf die ausgezeichneten Abbildungen eingehender ein. Frisch war der Erste, der nach der vor ihm allgemein üblichen alphabetischen Anordnung der Vogelformen — beginnend mit Adler, endigend mit Zaunkönig — ein künstliches System, wenn auch in etwas naiver Formulierung, in Deutschland aufzustellen versuchte. Die dem großen Werk beigegebenen 255 Tafeln sind mit denen früherer Veröffentlichungen nicht zu vergleichen. An Stelle unglaublicher Zerrbilder gab Frisch in seinen kolorierten Abbildungen natürliche Lebens- darstcllungen. Dieselben sind für die Zoologie von dauerndem Wert geblieben, weil durch sie einzelne von Linne in dessen Systema naturae und von anderen ungenau gegebene Diagnosen einzelner Arten durch die Zitierung der Frisch- schen Abbildungen sicher gestellt werden können. In seinen biologischen Mitteilungen und Beobachtungen streift Frisch auch das alte, zu allen Zeiten bewunderte,' rätselhafte Problem des Zuges der Vögel. Der Vortragende nimmt hierbei Veranlassung, auf die Tätigkeit der von der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft in Berlin begründeten Vogelwarten in Rossitten auf der Kuri- schen Nehrung hinzuweisen, welche sich fast ausschließlich mit der Erforschung des Vogelzuges beschäftigt. Die von dem genannten Institut her- ausgebildeten Arbeitsmethoden, besondern die Beringung der Vögel zwecks Festlegung der Ausdehnung und Richtung, des Zuges, haben fast in allen