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1. (1. außerordentliche) Versammlung des XXV. Vereinsjahres.
Im Waisenhause wurde die Brandenburgia von Herrn Waisenhausinspektor Zartmann empfangen. Er zeigte und erläuterte zunächst das große Oelgemälde im Saale des Waisenhauses, das die Gründung Oranienburgs durch Luise Henriette darstellt und das einstmals das Vorzimmer des Königs im Oranienburger .Schlosse zierte. Das Bild, als dessen Maler Terwesten gilt, knüpft an die Didosage an. In der Mitte steht der Große Kurfürst in der Tracht eines antiken Herrschers. Rechts neben ihm erblickt man Luise Henriette. Ihre Schleppe trägt die Gräfin von Blumenthal. Hintei dem Kurfürsten steht der Oberst La Cave, den Speer in der Hand. Weiter zurück sieht man den Oberjägermeister von Hertefeld und einen Herrn von Rochow. Links vom Kurfürsten zerschneidet der Hofmeister, Minister von Schwerin, vom Maler als Gerbermeister mit zurückgeschlagenen Hemdsärmeln dargestellt, eine Kuhhaut in Riemen. Im Hintergründe sind fünf Diener damit beschäftigt, mit den abgeschnittenen Riemen eine weite Fläche zu umgrenzen. Auf der Kuhhaut liest man die Worte „plus outre“ (immer weiter). In der Ferne erhebt sich ein Schloß. Nach' der Etläuterung des Bildes legte Herr Waisenhausinspektor Zartmann verschiedene interessante alte Urkunden des Waisenhauses vor, darunter solche aus der Stiftungszeit und auch aus den Unglücksjahren von 1806 und 1807, und führte dann den Verein durch die verschiedenen Räume. Allgemein bewundert wurde die Sauberkeit und praktische Einrichtung derselben. Den freundlichen Gesichtern der Zöglinge (gegenwärtig 15 Knaben und 15 Mäd- _ chen) merkte man es an, wie wohl sie sich hier fühlen. Einen reizenden Abschluß bildete die Besichtigung des von hohen Bäumen beschatteten Waisenhaushofes, auf dem eine frohe Kinderschar im Kreise spielte. Ein Bild des Friedens mitten im Kriegessturm, überragt von dem schönen Bau der St.- Nikolaikirche, die das nächste Ziel der Wanderfahrt bildete. Hier gab Herr Lehrer Rehberg die Erklärungen. Das aus gelben Backsteinen int Stil einer romanischen Basilika erbaute Gotteshaus wurde in den Jahren 1864 bis 66 an Stelle der vorigen sehr dürftigen Kirche, die nur 68 Jahre gestanden hatte, errichtet. Es verdankt seine Entstehung dem König Friedrich Wilhelm IV., der gelegentlich der Grundsteinlegung zum Denkmal der Kurfürstin Luise Henriette im Jahre 1850 vom damaligen Oberpfarrer Ballhorn auf den unwürdigen Zustand des Gotteshauses aufmerksam gemacht wurde. Er beauftragte den Oberbaurat Dr. Stüler mit dem Entwurf der Zeichnungen. Die Ausführung des Baues erlebte der König nicht mehr. Sie geschah erst unter König Wilhelm I. Die Kirche hat 1200 Sitzplätze. Um die Jahrhundertwende wurden die Kronleuchter für elektrisches Licht eingerichtet. 1912. gelangte eine prachtvolle Orgel von W. Sauer in Frankfurt a. O. zur Aufstellung. Seit dem 1. Mai 1915 ist Oranienburg Sitz einer Superintendentur. In dem 60 m hohen Turm, von dem man eine herrliche Rundsichi genießt, hängen drei Glocken. Die größte ist ein Geschenk des Königs Friedrich Wilhelms IV. aus dem Jahre 1850. Die Mittelglocke