Heft 
(1917) 25
Seite
88
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SB

3. (2. außerordentliche) Versammlung des XXV. Vereinsjahres.

Herr Bürgermeister Paetzold als 2. Kurator des St. Georgen Hospitals gab in dem alten Kirchlein die Erklärungen ab, das mit lauschenden Zuhörern, vollständig gefüllt war. Und nun stieg wohl in manchem Zuhörer das mittelalterliche Bild der Husitenbelagerung wiederauf. Die Kapelle ist oftmals repariert. Räumlich zu ihr gehörig ist das St. Georgen Hospital (früher St. Jörgen oder Jürgen, jetzt auch Spittel genannt). Es ist eine Stiftung von 1328. Das jetzige Gebäude wurde 1728 errichtet. Vorn am Giebel ist der Eingang. Rechts und links die Stübchen und Wirtschaftsräume. Auch hat jeder Hospitalbewohner ein kleines Gärtchen. Die Wanderung ging sodann zu dem Wasserturm zwischen Wandlitzer- und Schönower Chaussee, der den alten Türmer, der Stadt geschmackvoll angepaßt ist. Ferner wurde das neue Krankenhaus an der Lanker Chaussee, das im Jahre 1910 eröffnet wurde» besichtigt. Von hier aus erblickt man die alte märkische Stadt, in Baumgrün eingehegt, mit ihren Türmen und Wällen. Zurück ging es zur Kronprinzen- Allee, zum Friedhof, der eingebettet zwischen den Wällen liegt. Als inter­essante Merkwürdigkeit hat der eine Kirchhofspfeiler einen Stein mit den Jahreszahlen 1648 und 1700. Er mag wohl von der früheren Friedhofsmauer herrühren. Der Gottesacker, 1598 angelegt, wurde früher Peterskirchhof ge­nannt und zwar nach einem Müller namens Peter Hesse, der hier als Erster beerdigt wurde. Bald ist das Grab des Stadtverordneten-Vorstehers August Wernicke erreicht, das ein Denkmal ziert. Rühmende Worte des Bürger­meisters Paetzold und des Geheimen Regierungsrats Friedei ehren den Heim­gegangenen Aber noch ein zweites Grab wurde aufgesucht, näher an der Straße. Hier ruhet der langjährige Küster Ewald von St. Marien, der es verstanden hat, die seltensten Schätze der Bernauer Kirchengeschichte ans Licht zu ziehen. Er schläft in Frieden. Auf dem Markte des Lebens hat er die Menschen durchschaut und erkannt. Ein dankbares Gedenken widmeten dem Heimgegangenen Bürgermeister Paetzold und Geheimer Regierungsrat Friedei.

Vom Kriegerdenkmal, das nun besichtigt wurde, leuchten in goldenen Buchstaben die Worte:Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den künftigen Geschlechtern zur Nacheiferung. Das Denk­mal präsentiert sich im frischen Maigrün der Wälle in schönster Weise. Und nun wandern wir zu dem in der Brandenburgischen Geschichte unter den Baudenkmälern einen hervorragenden Platz einnehmenden Gotteshaus, der St. Marienkirche. Der unschöne Turm, der 1839 bis 1846 durch v. Bernuth und Professor Manzer (Berlin) neuerbaut, zeigte nach Entfernung des Ge­rüstes, nachdem der erste starke Regen ihn getroffen, die ominösen 3 Buch­staben: I. F. N. Der beim Turmbau beschäftigt gewesene Maurer Johann Friedrich Noack hat sich in dieser Weise verewigt. Seinem Bruder gelang es an der nördlichen Seite nicht. Man sieht dort nur ein N. Von Herrn Ober­pfarrer Latk unter den Orgelklängen des Herrn Lehrer und Organisten Kemritz in das Innere des herrlichen Gotteshauses geleitet, gab der Geist-