3. (2. außerordentliche) Versammlung des XXV. Vereinsjahres.
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liehe seine Erklärungen ab. U. a. zeigend auf die im großen Schwibbogen befindliche Inschrift von Peter Heinrich von Luckow über die Vollendung des Baues von 1519. Im Baustil sind alle Epochen vom Romanischen bis zur Neugotik vertreten. Prächtig ist das Kreuz, das sich über dem zweiten Altar bis zur Decke erhebt und die Zahl 1220 trägt. Der Hochaltar ist der größte Kunstschatz der Kirche. An den Altarflügeln befinden sich 64 mittelalterliche Darstellungen aus der Geschichte Christi. Die Kanzel mit dem prachtvollen Schalldeckel, die kunstvollen Schnitzereien an den Magistratsstühlen, sowie der Gustav-Adolf-Gedenkstein fesselten lange die Blicke der Beschauer. Von den vielen Gemälden in der Kirche seien die der Prediger Seyler Vater und Sohn (Bernauer Chronist), auch Propst Martin Strohmann erwähnt, der dem König Gustav Adolf von Schweden eine Gedächtnispredigt gehalten, als dessen Leiche auf der Ueberführung nach der Heimat eine! Nacht in Bernau aufgestellt war. Der Raum gestattet es nicht, auf weitere Kunstschätze einzugehen. Nachdem noch die Sakristei besichtigt, schieden wir mit vielem Dank für die Erklärungen von dem liebenswürdigen Geistlichen untei den brausenden Orgeltönen. Auf dem Rathause wurden die Gäste von Herrn Bürgermeister Paetzold und dem Herrn Beigeordneten Plett- ner empfangen. Aus der Ansprache des Bürgermeisters klang hervor, daß sich Bernau die Nähe Berlins nutzbar machen möchte. Die Verwaltung trägt sich mit der Erfüllung großer kommunaler Aufgaben, um den Fremdenstrom heranzuziehen. Redner fand auch Gelegenheit, der Husitenfestspiele von 1911 una 1912 zu gedenken und überreichte dem Herrn Vorsitzenden Geheimrat Friedei eine Sammlung von Urkunden über Husitenfeiern von 1441 bis 1911. Auch ein Büchlein „Bernau in Wort und Bild“ ist dazu bestimmt, der an historischen Erinnerungen reichen Stadt der Mark Brandenburg recht viele neue Freunde zu gewinnen. Das Stadtoberhaupt schloß seine eindrucksvolle Rede mit den Worten aus den Festspielen: „Wo Fürst und Bürger, Edelmann und Bauer, einander Treu um Treue halten, da muß die Sonne eines Friedens kommen, die Glück aufweckt im ganzen Märkerlande. Bis dahin gilt es Kampf und wieder Kampf. Eisern sei unser Arm, wenn er den Feind erschlägt, heiß unser Herz, das für die Heimat pocht, und zäh der Wille, der das Gute schafft. So ruf ich, Heil der treuen Stadt Bernau, die heut gezeigt, was Märker Art vermag. Und unser Ruf im Frieden wie im Kriege, er sei jetzt und immer: „Hie gut Brandenburg“. Sodann fand die Besichtigung des Rathauses mit seinen reichen Schätzen an alten Urkunden, eines alten Bürgerbuches vom Jahre 1487 "1838, der im Jahre 1736 beendeten Chronik der Stadt Bernau von Archidiakonus Tobias Seyler, und einer Reihe beachtenswerter Oelgemälde, Bilder usw. statt. Darunter auch ein Oelgemälde des historischen Festzuges vom Jahre 1882 von Prof. Röchling, den Ihr hochverehrter Herr Vorsitzender, wie er mitteilte, bereits mitgemacht hatte. Die weitere Wanderung führte durch die Schmuckanlagen vor dem ehemaligen Mühlentor nach dem Festspielplatz. Ferner wurde das