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8. (2. außerordentliche Versammlung des XXV. Vereinsjahres.
alte Organisten- und Kantorhaus, Tuchmacherstr. 168 170, besichtigt. Dies älteste Wohnhaus Bernaus hat der jederzeitige amtierende Kantor inne gehabt und wird jetzt noch vom Kantor Schelk bewohnt. An der Vorderfront auf dem Rahmen über der ersten Etage, befindet sich eine ausgestemmte Schrift: ,,Anno Domini 1582 sind diese Buden der Kirchen zum Besten frei erbeten von R. Johann Pipern und Anno 1583 von ime und Matthias Henzen und Lorehtz Koggen als Kastenherren Got zum Ehren erbauet worden. Amen.” In dem Hausflur Bürgermeisterstraße 219 wurde ein alter mit Schrift und Wappen versehener eingemauerter Stein besichtigt, der bis 1870 vorn über dem Eingänge des alten Hauses war. Der Erbauer des alten Hauses war im Jahre 1593 der damalige Bürgermeister Johannes Piper. Die Schrift des Steines besagt: „Gott allein Ehr 1593. Gott gebe allen, so mich kennen, — Zehnmal so viel, als sie mir gönnen. — Kirchen gehen, säumet nicht, ■— Almosen geben, armet nicht, — Unrecht Gud gedeiet nicht. — Gottes Wort trüget nicht. Caret invidia, Deo sola miscria dante, nil potest invidia. Johannes Piper.“ — Das Haus Berlinerstraße 123, in dem 1819 Prinz Wilhelm, nachmaliger Kaiser Wilhelm I., nach einem Jagdunfall in der Gräfl. Lanker Forst, in der Wohnung des Postmeisters v. Gliszczynski, an der rechten Hand verbunden wurde, ist, abgesehen von einem angelegten Laden, wenig verändert. Den Schluß der Wanderung bildete die Adler-Apotheke in der Bürgermeisterstr. 224. Mit dem gegenwärtigen Besitzer Dr. Arthur Böhme ist sie schon in fünfter Generation. Das alte Apothekerhaus wurde 1900 abgerissen, nachdem es 145 Jahre gestanden hatte', i Unter den verschiedenen Sammlungen, die uns Herr Dr. Böhme zeigte, befindet sich auch ein Schädel eines wohlhabenden Bernauer Bürgers, namens Winter, der 71 Jahre alt, von Geldsucht geblendet, mehrere Verwandte mit Arsenik vergiftete. Vor Vollstreckung des Todesurteils verstarb er 1795. Die Exekution wurde trotzdem an dem Toten vollzogen (s. ausführliche Abhandlung in den Eberswalder Heimatblättern Nr. 186 v. 1. 10 1915). Durch Errichtung höherer Bildungsanstalten, durch Kanalisation, Anlage eines elektrischen Kraftwerkes usw. will die Stadt, zumal im Hinblick auf ihre große Nähe zu Berlin und den viergleisigen Ausbau der Stettiner Strecke bis Bernau, der seiner demnächstigen Vollendung entgegensieht, dahin wirken, einen wesentlichen Zuzug von steuerkräftigen Einwohnern zu erhalten, wobei ihr auch der billige Vororttarif zugute kommt. wirth v. We ydenberg
Zur Geschichte der Stadt Bernau.
Von Apotheker Alexander Kurtzwig in Bernau.
Bernau ist aus einer wendischen Siedelung hervorgegangen, wie es deren viele in der nächsten Umgebung noch gab. Wandlitz, Liepnitz, Rüdnitz verraten durch ihren Namen schon ihre wendische Abstammung. In der Panke- niederung, an Wasser und Sumpf, hausten die Wenden, als sie im 12. Jahr-