Heft 
(1917) 25
Seite
91
Einzelbild herunterladen

Geschichte der Stadt Bernau.

91

hundert von deutschen Kolonisten langsam verdrängt wurden. Schwert, Kreuz, Pflug halfen bei der Besiedelung und besonders waren es Cisterziensermönche, welche hier bahnbrechend wirkten. Sie kamen von Lehmn und gingen über Chorin bis tief nach Pommern hinein. Ein Etappenort an dieser allgemeinen Landstraße, die Sie heute als die Eisenbahn BerlinStettinDanzig wieder­finden, wurde Bernau. Um das Jahr 1225 kam der südliche Barnim und mit ihm Bernau an die Markgrafen Johann I. und Otto III., und um 1232 erhielt Bernau Stadtrecht. Bis in diese Zeit reichen wohl die Anfänge der Kirche und der Stadtmauer zurück. Wir wissen urkundlich hierüber sehr wenig. Ueberliefert ist, daß 1325 der Bernauer Probst Nicolaus Cyriacus nach Berlin ging, um unter kräftigen Mahnworten den Petersgroschen für den Pabsl einzuziehen. Die Berliner verweigerten die Zahlung; es kam zum Streit, in Verlauf dessen der Probst vor der Marienkirche erschlagen wurde. Berlin wurde in die Acht getan und mußte später zur Sühne ein kleines Steinkreuz vor der Kirche errichten. In diese Zeit fällt auch die Gründung der Kalandsgildc durch die Bernauer Geistlichkeit. Sie bestand aus Kalandsherren (Geistliche) und Kalandsbrüder.n und Schwestern. Sic dienten zuerst Zwecken der Wohltätigkeit und Nächstenliebe. Als sie aber im Laufe der Jahre zu größerer Wohlhabenheit gelangten, sahen sie ihren Hauptzweck im guten Essen und Trinken. Es vergeht fast ein Jahrhundert ohne Ueberlieferung, bis 1402 die Quitzows im Verein mit den Pommern Bernau vergeblich bestürmen. 30 Jahre später (1432) lagerte ein Husiten- haufen vor den Toren der Stadt. Müncheberg und Lebus lagen in Asche und jetzt sollte Bernau an die Reihe kommen. Bernau war zu dieser Zeit berühmt wegen seines guten Bieres, dessen Herstellung zuerst wohl die Mönche betrieben hatten. Man braute ein leichtes Bier für den hiesigen Verbrauch und ein extraktreiches, schweres für den Versand. Die Prüfung soll in der Weise stattgefunden haben, daß eine Bank mit Bier begossen wurde und die Vertreter der Stadt, angetan mit ledernen Hosen, darauf Platz nahmen. Blieb die Bank beim Aufstehen kleben, so war das Bier gut. Bis auf 30000 Tonnen als höchste Leistung hatte man es in einem Jahre gebracht. Aber allmählich verwässerten die Bernauer ihr Bier immer mehr und es ging langsam zurück. I

Bernau erfreute sich zu dieser Zeit einer gewissen Wohlhabenheit und zählte 5000 Einwohner. Joh. Praetorius, ein Bernauer Kind, errichtete eine Stiftung für studierende Söhne von hiesigen Bürgern. Wir sind jetzt bis zur Zeit der Reformation gekommen. Mönche und Kalandsgilde ver­schwinden und aus der katholischen Kirche wurde eine evangelische. Es. begannen für Bernau zwei schwere Jahrhunderte. Nicht weniger als neunmal brachen im 16. und 17. Jahrhundert Seuchen aus, und da man noch nichts von Bazillen und Schutzimpfungen wußte, so starben die Menschen massen­haft. 1632 zählte Bernau nur noch 600 Einwohner und bei Beendigung des 30jährigen Krieges 1648 lagen 155 Häuser in Asche, 40 waren halbverfallen