Heft 
(1917) 25
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Kleine Mitteilungen.

und nur 127 noch bewohnbar. Wen das Schwert verschonet hat, den hat der Hunger aufgerieben und wen der Hunger nicht betroffen, den hat die Pest erwürget, sagt Tobias Seyler in seiner Chronik über diese Zeit. Nur sehr langsam konnte sich Bernau von diesen schweren Schicksalsschlägen erholen. Man siedelte französische Flüchtlinge an und man versuchte es mit der Seidenraupenzucht, aber ohne rechten Erfolg. Auf den Wällen standen Maulbeerbäume und die jährlich abgelieferte Menge von Cocons schwankt zwischen 20 bis 30 Pfund und stieg in einem Jahre auf 100. Während des unglücklichen Krieges 1806 hatte Bernau schwer unter den Truppendurchzügen zu leiden, es zählte nur 1800 Einwohner und gehörte zu den ärmeren Orten der Mark. 1830 waren es 3000 Einwohner, 1870 5500, 1900 9000 und bis jetzt sind wir immer noch nicht in die oberen Zehntausend gekommen. 1882 feierten wir das 450jährige Hussitenfest. Unser verehrter Bürgermeister Herr Paetzold, Herr Apotheker Böhme und der verstorbene Dr. Jacobsen hatten im Verein mit der Berliner Künstler­schaft die Feier vorbereitet; der damalige Kronprinz, spätere Kaiser Friedrich, war herübergekommen,. es gab einen historischen Festzug. Gut eine Meile lang und halb so breit umfaßt unser Wald einen Raum von 8000 Morgen.

Kleine Mitteilungen.

Bittschrift eines altmärkischen Küsters an das Altmärkische Ober­gericht. Mitgeteilt aus einer alten Zeitschrift ,,Der Wißbegierige, Rostock 1784, von C. Krieger, Lübeck. Wir Friedrich, von Gottes Gnaden etc. Hochwürdige, Hochwohl- und Hoch-Ehrwürdige Herren! Se. Königl. Majestät in Preußen, als unser allergnädigster Herr, haben bereits schon vor einigen Zeiten einen hohen Befehl erteilt, daß, wenn sich bey Gelegenheit in den Dörfern befindliche Gemeinden ein Tauf- oder Hoch­zeitsmahl gegeben werde, nicht allein der Pastor dazu, sondern auch der Küster ebenfalls mit dazu invitiret werden sollte; da nun allhier in Klein Engerß der Schulze Behrens vor einigen Wochen ein Taufmahl gegeben, und dazu den Herrn Pastor mit dessen Ehcliebste gebeten, mir aber davon abgestoßen, und 3 gr. so in meiner Matrikel vorgeschriebene Accidentia ent­richtet und gesprochen, die mir gereichten 3 gr. sollten bereits mit vor der Mahlzeit gegeben seyn. Da nun Ew. Königl. Majestät, als unser aller­gnädigster Herr, zugleich gnädigst befohlen, daß, wenn von beyden Seiten die Mahlzeiten nicht genießten, dieselbe jederzeit bezahlet werden sollte.

Als gelanget dießhalb mein ganz demüthigst Bitten, Ew. Königl. Ma­jestäten wollen geruhen, mir Dero hohe Huld, Gnade und Schutzes wider­fahren zu lassen, auch mit auf mein allerunterthänigstes Supplicat Dero hohe Resolution und Befehl zu ertheilen, wie mir künftig bey vorfallenden Gelegen­heiten zu verhalten habe; der ich mit allerunterthänigster Submission verharre

Ew. Königl. Majestäten etc.

Meine gnädigste und Hochzugebietende Herren

Gr. Engerßen, den 25sten März 1779.

allerunterthänigster Knecht A. D. Rappert, Custos.

Adresse auf dem Couvert: Sa. Majeste le Roi de Prusse.

Und auf der Rückseite neben dem Siegel: Zur Erbrechung eines Hoch­würdigen Ober-Consistorien in Stendal.