3. ( 2 . außerordentliche) Versammlung des XXV. Vereinsjahros.
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den Kronprinzen, späteren Kaiser Friedrich, die Kronprinzessin und Prinzessin Viktoria, eröffnet wurde. Die Verhältnisse vor dem Königstor haben sich seit 1800 sehr verändert. Bis 1823 befand sich 30 m vor dem Turme, unmittelbar an der Panke, ein zweites Tor. 1857 wurde die alte beengende Seitcnmauci abgebrochen und eine neue dann aufgeführt. Auch diese Mauer wurde wieder beseitigt. Erst 1876 wurde das kleine Nebentor durchgebrochen, das für Fußgänger dient. Der Rundturm mit dem massiven Gang ist späterhin recht unschön vorbaut worden. Der Verfasser dieses Berichts zeigte ein Bild, wie das Königstor mit seinem Rundturm weit schöner gewirkt hatte, als das Restaurationsgebäude die Ansicht noch nicht entstellte, wie jetzt. — 1 Seit undenklichen Zeiten ist ein Storchnest auf dem alten Turm. 1867 wurde es vom Turm heruntergeworfen. Storchfreunde sorgten für Vorkehrungen, und der Meister Langbein baute wieder. Dieser sogenannte Storchturm hat einen Durchmesser von 6,90 m und ist 28,25 m hoch. Die Tiefe des Turmverließes beträgt 8 m. Bernau hatte noch zwei weitere Tore. Das Berliner Tor, das 1799 abgebrochen und das Mühlentor, das 1885 beseitigt wurde.
Die in der Rüstkammer abgegebenen Erklärungen des Herrn Apothekenbesitzer Dr. Böhme hoben hervor, daß verschiedene Stücke unzweifelhaft von den Husiten herrühren und darum gleichfalls die Husiten-Niederlage vor Bernau mitbczcugen. Früher waren jedoch weit mehr Husitensachen vorhanden. Noch Ende des 17. Jahrhunderts stand auf einem Chor der St. Marienkirche ein altes Zelt. Nach der Tradition dem Husitenführcr Koska gehörig. Nach Besichtigung der Rüstkammer ging die Wanderung an der Stadtmauer entlang. Diese ist IV2 Kilometer und hat ein Feldsteinmaterial von zirka 12000 Kubikmetern. An niedrigsten Stellen 2 1 /2 m, an der höchsten Stelle aber m mit einem Durchschnitt von 4 l /g m. Dio Fundamenttiefe der Mauer ist IY2 m - Das höchste Lughaus 8V2 m und das niedrigste gegen 3 m.
Unvermittelt trat man auf die prächtige Wallpromenade. „Lern entbehren, lern genießen, willst Du froh durchs Leben gehn; sieh Dir blüht so viel zu Füßen, was Dein Auge kaum gesehn.“ So ists! Sie kennen Dich wenig, Bernau, mit der lauschigen romantischen Schönheit Deiner Wallpromenaden. Ich kenne Dich aber noch aus den Zeiten, als, in den Schlaf rock gehüllt, die lange Tabakspfeife im Munde, die Bürger ihre Erholung auf den Wällen suchten. Wirkliche Bedeutung als Promenaden haben die Wälle seit 1848. Ihre Zahl hat sich von 1800—1850 nicht verändert. Der Großvater des Herrn Apothekenbesitzers Dr. Böhme, Kämmerer und Apotheker Friedrich Böhme, hatte diese herrlichen Anlagen im Aufträge der Stadt ausgeführt. Am Ende des Hohen Walles war eine verdeckte Laube, daneben ein Kamin zum Kaffeekochen. Der Kalands- Wall wurde erst 1878 dem Verkehr übergeben. Vor dem St.-Georgen-Kirch- lein wurde haltgemacht, das dem Ansturm der Husiten standgehalten, und