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Märkische Wassergeister.
Kin Beitrag zur brandenburgischen Sagenkunde von Rudolf Schmidt (Ebersvvalde).
Die stillen märkischen Gewässer haben ihre eigene Poesie. Besonders die verschwiegenen Seen der märkischen Heide sind es, die der herben Schönheit des Landes das Gepräge geben. Künstler wie Leistikow, Ockel, Oenicke, Thiele und Reichner haben uns die landschaftlichen Reize der Mark Brandenburg näher gebracht. Und unsere berühmten märkischen Sagensammler Kuhn und Schwarz haben lange Jahre im Landvolk geforscht, wie die Gewässer sich im Volksbewußtsein wiederspiegeln. Seit jener Zeit ist noch manch anderes Merkmal hervorgetreten, das uns erkennen läßt, wie die Volkskunde hier ein dankbares Arbeitsfeld findet. Die Geheimnisse märkischer Gewässer liegen zum größten Teile verborgen in den alten Sagen und Geschichten, die über sie im Volke verbreitet sind. Sie sind von solch unverkennbarer Eigenart, daß viele dieser Züge nur bei ihnen zu finden sind und sich dadurch von den Ueberlieferungen anderer deutscher Landschaften abheben. Diese Tatsache rechtfertigt wohl eine besondere Besprechung (im übrigen muß bezüglich der Allgemeinbedeutung auf das Kapitel „Wassergeister“ in Simrocks Deutscher Mythologie, Bonn 1855, Seite 473 und Folge, verwiesen werden).
Die märkischen Wassergeister kennzeichnen sich als ein Ausdruck jener tiefen Naturverehrung, die unseren Vorfahren heiliges Erleben war. Die Entwickelung der Geschichte des Brandenburgischen Landes hat dabei durch die Verwebung von uralten germanischen mit rein wendischen Anschauungen ein Verhältnis geschaffen, das geeignet ist, den Heimatforscher ganz besonders anzuziehen.
Unsere Wassergeister zeigen vorwiegend eine dem Menschen feindselige Macht; dies erklärt die heilige Scheu, die der Märker seinen Gewässern und den Wasserwundern überhaupt (vergl. hierzu das ergiebige Kapitel in
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