Märkische Wassergeister.
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Sie ging wohl über die Brücke,
Vom Berg bis über die See,
Da kam der kleine Wassermann Bei die schöne Dorothee.
Im Wasser lebten sie sieben Jahr Vom Berg bis über die See,
! Bis sie einen kleinen Sohn gebar,
Die schöne Dorothee.
Das Zusammentreffen des Wassermannes mit Menschen verursacht in der Regel Streit (1). Gern sitzt der Nix an den Bächen, deren Ufer er aufreißt und oft auf längere Strecken zerstört (32), auf alten Weiden (3) oder auf einem großen Stein mitten im Wasser (30), zeigt sich als Jäger (42), aber auch in ganzer Tiergestalt, z. B. bei Burg i. Spreewald als Kalb (22). Jedoch hat er meist etwas auffallendes, z. B. als Fisch ohne Schwanz (8, 9) und wo er gesessen hat, zeigt sich immer eine nasse Stelle (12, 13). Für gewöhnlich versucht der Wassermann seine Opfer durch Lockrufe zu sich in die nasse Tiefe zu ziehen (11, 19, 33), was auch der Seejungfer eigen ist (52). Hilft das nicht, ist er auch zu einer Gewalttat bereit (10). Bringen seine Verführungskünste, die er ganz ungeniert selbst auf dem Tanzboden ausübt, ihm das Gewünschte, kann er sehr entgegenkommend sein. Er zeigt dem staunenden Menschenkinde sein Wasserschloß, ohne seinen Gast zu lielästigen (12). Weniger angenehm ist freilich, was man im Schlosse oft sehen kann „auf einer Ofenbank Töpfe, bevölkert von den Leuten, die der Nix hat ertrinken lassen“ (62). Oft sieht man aus dem Wasser Rauch auf- steigen, dann backt der Nix Kuchen (33). Was der Wassermann eigentlich vorstellt, sagt eine nette Beschreibung aus dem Kreise Jüterbog-Luckenwalde: Der Nicker t — so nennt man ihn dort - sitzt im Wasser und ist ein kleines graues Männchen, das großes Verlangen nach Menschenkindern trägt und sie stiehlt, so lange sie noch nicht getauft sind; statt ihrer schiebt er die seinen unter, die sehr klein sind, aber große breite Köpfe haben (15). Daß diese Wechselbälge aber Dreimännerkraft besitzen, lehrt das Beispiel von Ziililichendorf (Krs. Jüterbog-Luckenwalde). Aus Guben w'ird berichtet, daß der Nix dort längere Zeit lebte und sogar den Menschen allerlei Dienste leistete (13). Dieser sonderbare Wasserbewohner war verheiratet und oft genug hat man seine bessere Hälfte in der Stadt einkaufen sehen. Die Frau, die ihr in schwerer Stunde beistand, wurde mit Gold belohnt, sic hat diese Zuwendung nur nicht in gehörigem Maße zu schätzen gewußt. Schlauer war die Hebamme aus dem Kreise Jüterbog-Luckenw'alde (16) und diejenige aus Cottbus (26 vergl. auch 62). Als rotes Männchen steigt der Wassermann in die Kähne der Schiffer und begleitet sie oft eine Weile (14), springt sogar in die Käscher der Fischer (23). Einmal haben den „Wodernyks“ Spreewaldburschen sogar bis ans Ufer geschleppt, dann
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