Heft 
(1917) 25
Seite
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.Rudolf Schmidt

Nach einem anderen Bericht hat der Nix in der Lache auch eine Frau gehabt uno zu dieser einmal eine Hebamme geholt. Als diese wieder an die Oberwelt stieg, sagte der Nix zu ihr, sie solle sich den Kehricht, der an der Tür liege, als Belohnung mitnehmen. Sie raffte ihn auch in die Schürze. So­bald sie aber oben wieder allein war, warf sie ihn fort. Zu Hause angelangt fiel ein Goldstück klingend vor ihr zur Erde, und siehe da, es hafteten noch mehrere an ihrer Schürze. Schnell lief das Weib zurück an den Ort, wo sie den Kehricht weggeworfen hatte, fand dort aber nichts mehr.

Man erzählte auch, die Alten hätten die Frau des Nixes aus der Stadt kommer sehen, wo sie zur Kindtaufe eingekauft hatte. Als sie an die Lache kam, schlug sie mit einer Rute ins Wasser, und es war dann sofort eine Treppe da, auf welcher sie in die Tiefe hinabstieg.

Endlich sollen auch Nixen aus der Lache in die Stadt zu Tanze ge­gangen sein. Einmal wurden sie aber von den Städtern verfolgt; seitdem kamen sie nicht mehr wieder.

Die Lache ist nun schon lange zugeschüttet; ein schmaler, mit Wasser gefüllter Graben zwischen den Grundstücken des Holzhändlcrs Schneider und des Ackerbürgers Peste bildet noch den letzten Uebcrrest.

Stadt Guben.

14. Der Nix in der Oberneisse bei Guben.

ln der Nähe von Krölls Eiskeller standen am Neisseufer früher drei Erlen. Wenn die Leute dort vorbeifuhren, sprang oft der Wassernix ein kleines Männchen, rot angezogen in die Kahnkoffe. Wenn er dann seine Zeit ersah, sprang er wieder zurück ins Wasser.

Als eines Abends ein Mann mit einem Hunde an den drei Erlen vor- überfuhr, bekam er den Hund dort nicht vorbei. Der ließ den Schwanz herunterhängen und lief ins Feld hinein.

Sobald jemand ertrinken sollte, kamen Bänder geschwommen: rote, grüne, gelbe, von allen Farben; dann hieß es, jetzt wird wieder jemand er­trinken. Gewöhnlich nach drei Tagen hörte man es. Stadt Guben.

15. Der Nickert.

Mal war eine Frau auf einer Reise in Scherfenbrück niedergekommen, und als sie nun wieder genesen war, und über die Nuthebrücke nach Hause fuhr, kommt der Nickert ungesehen und stiehlt ihr das Neugeborene, läßt ihr abe" statt dessen sein ungestaltet Balg mit dickem Kopf zurück. Das ist gerade acht Jahre alt geworden, da ist es gestorben. Wäre die Frau nicht mit dem Neugeborenen über fließend Wasser gefahren, so hätte ihr der Nickert nichts anhaben können. ___

Die Wechselbälge, die der Nickert für die Menschenkinder unter­schiebt, sind sehr stark und haben oft mehr Kraft als drei starke Männer