Heft 
(1917) 25
Seite
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12. (7. auBerortl.) Versammlung des XXV. Vereinsjalires.

Als die Hochschule für Musik ihr jetziges neues Heim erhielt, wurde darin auch die Instrumentensammlung untergebracht. Leider aber war der Raum so knapp bemessen worden, daß der Inhalt bei weitem nicht eine sach­gemäße Aufstellung erhalten konnte. So mußte man sich mit einer einfachen Magazinierung statt einer musealen Aufstellung begnügen; ein nicht unbe­trächtlicher Teil fand überhaupt keine Unterkunft und mußte in gänzlich un­geeigneten Räumen unmittelbar unter dem Dache untergebracht werden.

Die Sammlung enthält vorzugsweise Instrumente, welche dem prakti­schen Gebrauche der Tonkunst dienen oder dafür bestimmt waren. Die exo­tischen Instrumente kommen erst in zweiter Linie. Aus den letzten vier Jahr­hunderten. also aus den Zeiten der großen Entwicklung der modernen Instru­mentalmusik, besitzt das Museum reichlich Vertreter aller Gattungen von Blas-, Schlag-, Saiten-, Pfeifen- u. a. Instrumenten, was um so mehr besagen will, als die früheren Zeiten noch größere Mannigfaltigkeit im Instrumentenbau entwickelt haben, als unsere Tage. Das Hauptgewicht wurde auf die Dar­stellung der geschichtlichen Entwicklung der hauptsächlichsten Instrument« der Tonkunst gelegt, und zwar in der Weise, daß man nicht nur die Entwick­lung der äußern Form, sondern auch diejenige des Gebrauches und der Klangfarben verfolgen kann. So läßt sich beispielsweise die Geschichte des Klavieres von seinen ersten überaus bescheidenen Anfängen bis zu scinei gegenwärtigen Vollendung nach äußerer Form und nach dem Klangver­mögen sehr genau veranschaulichen. Aehnlich ist es mit der Violine, dem 1 Harmonium, den Holz- und Blechblasinstrumenten und den übrigen.

An Kostbarkeiten und Seltenheiten ist natürlich das Museum reich. Sehr schön mit Malereien und Schnitzarbeiten ausgestattete Klaviere, Saiten­instrumente von bedeutenden Meistern wie Stainer, Nie. Amati, P. Maggini, Caspar da Salö, F. Ruggeri u. v. a., ein nahezu vollständiges Orchester der überaus seltenen Blasinstrumente des 16. und 17. Jahrhunderts, Kuriositäten aller Art, Versuchsinstrumente von Neuerfindungen u. dgl. machen dieses Museum zu der lehrreichsten aller Instrumentensammlungen. Zu den reich­haltigsten gehört sie ohnehin.

Sehr beachtenswert sind auch die vielen Instrumente großer Tonmeister. So beherbergt das Museum den berühmten Bachflügel neben dem Reise­klavier Friedrichs des Großen und Mozarts, die Kindergeige Mozarts, das Streichquartett Beethovens, Flügel und Gitarre von C. M. v. Weber, Flügel, Reiseklavier und viele Reliquien Meyerbeers, Mendelssohns Flügel und viele andere Instrumente, welche unter den Händen großer Komponisten und be­deutender Persönlichkeiten eine wichtige Rolle gespielt haben.

Aber nicht nur für die Tonkünstler selbst, sondern auch für das Kunst­gewerbe des Instrumentenbaues ist die Sammlung von Wichtigkeit. Schon viele Instrumente des Museums haben den Instrumentenbauern zum Nach-